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Youtube vs. Gema – meine Sicht der Dinge

von Messel am 23.05.2012   |   Sonstiges

Ich habe mir echt lange überlegt diesen Artikel rauszuhauen, da das Thema Urheberrecht in seiner Breite und Komplexität eigentlich einen gewöhnlichen Blogpost übersteigt, aber bevor ich das Ding irgendwo auf meiner Festplatte versandeln lasse, hau ich jetzt einfach eine persönliche Polemik raus. Das hier ist meine persönliche Meinung – nicht mehr und nicht weniger.

Ich mache hauptberuflich Musik, bin seit längerem Mitglied bei der Gema und habe mir zu diesem Thema schon des Öfteren meine Gedanken gemacht, deshalb möchte ich mal kurz ein paar Worte dazu beisteuern.

Das Hamburger Landgericht  hat vor kurzem ein wegweisendes Urteil im Rechtsstreit zwischen Gema und Youtube gesprochen. Dieses wird in den kommenden Monaten nochmal in einer höheren Instanz verhandelt.

Aufgrund dieses Urteils war es mal wieder an der Zeit für das übliche Gema-Bashing im Netz, sei es bei etablierten Medien, Blogs oder Twitter. Mich hat das so dezent auf die Palme gebracht, weil einige Kommentare einfach so unsachlich bzw. so hirnlos waren, dass ich mich echt geärgert habe.

Ich zahle Geld an die Gema (Mitgliedsbeitrag) bekomme aber auch Geld von der Gema (jährliche Ausschüttungen). Ich habe mich freiwillig dazu entschlossen der Gema beizutreten und ich bereue das nicht. Obwohl ich die ersten Jahre meiner Mitgliedschaft draufgezahlt habe und manchmal echt nicht checke was in diesem Verein abgeht bzw. warum manche Entscheidungen seitens der Gema so weit von der Realität entfernt sind, mache in erster Linie Musik weil’s mir Spaß macht. Dass ich damit Geld verdienen kann (auch aufgrund der Gema) – dafür bin ich jeden Tag dankbar.

Was ich damit sagen will:

Die Gema abschaffen – sind eh alles nur Vollpfosten, die auf der Seite der Bösen stehen und den armen Internetnutzern das Leben erschweren – Ganz ehrlich, so einen Schwachsinn habe ich lange nicht mehr gehört. Wir, die Leute die Sound machen, die den ganzen Tag in Studios arbeiten um die neuesten Tracks rauszuhauen (ja, wir stehen nicht nur dicht auf irgendwelchen Bühnen rum und hauen auf unsere Instrumente rein) sind Teil der Gema.

Die Zigarren rauchenden Gema Fettwänste die sich durch die Gegend prozessieren um noch mehr Kohle zu scheffeln sind Schreckgespenster die sich im Zuge der zur Zeit statt findenden Urheberrechts-Debatte im Netz selbstständig gemacht haben. Es geht in dieser Diskussion nicht um Gut und Böse, sondern um ein bisschen Respekt, es geht darum, die Argumente beider Seiten wirklich anzuhören um sich danach ein Urteil zu bilden. Sich darüber zu freuen, dass die Gema Website down ist = Kindergarten.

Ja, es stimmt, die Gema ist dringend reformbedürftig. Ein Riesen-Apparat, bei dem man als Komponist immer hinterher sein muss um an sein Geld zu kommen. Ein Verein, der sich oft die abenteuerlichsten Rechtfertigungsmethoden einfallen lässt um Einnahmen zu erzielen – die dann in nicht nachvollziehbarer Weise an ihre Mitglieder ausgeschüttet werden. Die Gema hat nicht ohne Grund das denkbar schlechteste Image, das man in der Öffentlichkeit haben kann. Wie gesagt, eine Reform (wann wird man stimmberechtigtes Mitglied, usw…) ist auf jeden Fall dringend nötig und wird hoffentlich auch geschehen. Es ist aber nun mal so, dass ein Verein in dieser Größenordnung etwas träge ist und Veränderungen durchaus länger dauern. Da bin ich eher Realo als Sponti, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

In dieser ganzen Diskussion aber von „Kulturterrorismus“ seitens der Rechteverwerter zu sprechen finde ich ehrlich gesagt eine Frechheit, die für jeden Komponisten oder Textdichter einem Schlag ins Gesicht gleich kommt. Man kann ja gegensätzlicher Meinung sein, aber immer gleich mit der Riesen-Keule durch den Wald schwingen, ich weiß ja nicht.

Klar kann man sich Mukke auch irgendwo aus dem Netz für lau ziehen und drauf scheißen, aber darum geht es hier ja nicht. Das macht jeder und war früher in Zeiten von Überspielungen von Radio auf Tape-Decks auch schon so. Das schadet auch keinem. Mir geht es nur darum: Wenn jemand deine Musik verwendet und damit Geld verdient, ist es nur fair wenn ich als Urheber dieser Musik auch etwas davon bekomme. Die ist ja nicht einfach so da, sondern will produziert werden. (Studio-Equipment, Know How, Zeit, Musiker, …) Deshalb gibt es die Gema. Sie sorgt dafür, dass ich die Kohle die mir zusteht, auch bekomme. Beim Gema gg. Youtube Streit ist es genauso:

Google macht Milliarden-Umsätze. Die Gema sagt: Wir möchten für unsere Mitglieder auch was vom Kuchen abhaben und fängt an darüber zu verhandeln. Google findet das übertrieben und gibt den schwarzen Peter an die Gema weiter. Die Gema macht einen auf Märchentarife, dann kommt Youtube und macht einen auf beleidigt. ….Mähhhhh……..

Wenn zwei Parteien es nicht auf die Reihe bekommen sich wie Erwachsene zu benehmen und nicht in der Lage sind einen Kompromiss auszuhandeln, dann… ja dann, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Vielleicht sollte in dieser Frage einfach der gesunde Menschenverstand regieren und sowohl Google als auch die Gema mal ihr Hirn einschalten und die Bereitschaft zeigen, von ihren in Stein gemeißelten Vorstellungen etwas abrücken.

Aber: Es ist nicht nur die Gema, die hier der Bösewicht ist. Man kann sich auch durchaus differenziert mit diesem Thema auseinandersetzen, wie hier oder hier gezeigt wird (absolut lesenswert und den Nagel immer auf den Kopf getroffen wie ich finde). Mehr will ich auch gar nicht. Mich würde es einfach freuen wenn in diese ganze Diskussion etwas mehr Sachlichkeit einzieht und man sich mit einer Meinung pro Urheberrecht nicht als Ewiggestriger beschimpfen lassen müsste.

5 Kommentare

Ronny am 23.05.2012 um 21:50 Uhr

Ja, klingt total vernünftig. Das aber war es dann auch schon, denn leider sieht sich die GEMA überhaupt gar nicht in der Rolle, ihren Laden reformieren zu müssen und genau das sehen viele als Problem. In erster Linie fordert die GEMA gerne von allen andern, ohne selber neue Wege gehen zu wollen. Deshalb ist es auch etwas sehr zuversichtlich von ihr „Sachlichkeit“ zu erwarten, denn in einem war die GEMA immer sehr sachlich: darin nämlich keine Zugeständnisse an irgendjemanden zu machen – mitunter auch nicht an die Künstler.

Und natürlich ist Google nicht weniger Arsch, nur interessiert das die Rezipienten nicht. Insofern hat Google da die für sich bequemere Position. Nervend allerdings wird es für jene Leute, die ohnehin viel Geld für Musik ausgeben und dennoch keinen Zugriff auf Videos haben, für deren Musik sie schon gezahlt haben.

Mir geht diese Debatte mittlerweile so sehr auf den Saque, das es mir tatsächlich egal ist, was die GEMA fordert und was Google zu geben bereit ist. Und ja, ich bilde mir ein, auf die GEMA verzichten zu können. Nicht, dass ich das als Forderung erheben will, aber auch ohne die GEMA würde es weiterhin Wege geben gute Musik kaufen zu können – zumindest bei der, die ich bevorzuge. Und genau deshalb freue ich mich darüber, wenn die GEMA-Seite down geht. Kindergarten? Ja, von mir aus, aber auch oder gerade da hatten wir so viel Spass wie später nie wieder.

Außerdem ging mir die GEMA persönlich auch gerne auf den Saque. Als CC-Künstler und ist mir deshalb ein Stück unsympathischer als Google es je war.

Mir ist die Diskussion mittlerweile total egal, ich will nur gute Musik hören und auflegen können. Ob nun mit GEMA oder ohne.

Fylyp am 24.05.2012 um 01:18 Uhr

Toller Artikel! Ehrliche Meinung und schön aufgearbeitet. Deckt sich so ziemlich genau mit dem, wie ich das auch sehe. Verstehe aber auch Ronny irgendwo. Der Karren schippert einfach seit Jahren durch so ein seltsames Bermuda Dreieck. Schwieriges Thema eben, bleibt zu hoffen das es für alle Seiten ein gutes Ende geben wird. Und gerade die GEMA die Sache ein gutes Stück flexibler angeht.Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Hurkunde am 24.05.2012 um 08:29 Uhr

Danke für deinen Artikel. Es tut gut mal eine andere Meinung zu lesen.

flo am 24.05.2012 um 11:58 Uhr

Lieber Ronny, wie kannst Du nach diesem Artikel diesen Kommentar ablassen, mit dem Du zu 100% bestätigst, nichts von dem Verstanden zu haben was da drin steht?

Das Problem ist doch, dass die Leute nicht differenzieren können zwischen der Institution des Urheberrechtsschutzes und deren Verwertung, die als Institution unantastbar ist und der GEMA als Firma, die zweifelsohne nicht so handelt wie man sich das im Idealfall vorstellt.

Solltest du daran interessiert sein, weiterhin Musikqualität zu genießen, die du als gut bezeichnest, solltest du nochmal genau darüber nachdenken, wie Musiker/Komponisten/Produzenten/Künstler – wie man es auch nennen will- ihr Geld verdienen, denn da spielt die GEMA eine sehr große Rolle. Und dabei geht es nicht nur um den Streit zwischen Google und der GEMA, sondern darum, dass man grundsätzlich für ein Produkt bezahlen muss.

Leider ( oder zum Glück ) ist Musik nicht so greifbar wie irgendwelche materiellen Güter, deswegen braucht man eine Institution die Überwacht, was mit diesem Produkt passiert, wer es verwendet, wer es benutzt und wer damit Geld verdient und die dafür sorgt dass die Urheber oder besser gesagt, die Erschaffer dieses Produktes dafür gerecht und richtig entlohnt werden.

Besitzt du ein Auto, musst du es entweder gekauft haben oder du hast es schlichtweg geklaut und somit jemand anderen beraubt. Genauso einfach ist das auch mit Musik. Dass Du Dir das alles auch ohne GEMA vorstellen kannst, beweist deine grundlegende Unkenntnis über die Funktion der GEMA. Sollte es diese nämlich nicht mehr geben, müsste jeder der ernsthaft und hauptberuflich Musik komponiert und / oder Texte schreibt und damit seine Lebensunterhalt finanzieren muss, seinen Beruf aufgeben und sich damit auseinandersetzen, wie er dafür bezahlt wird, wenn andere sein Produkt verwenden – was die Vorraussetzung dafür ist, dass man davon Leben kann- und hätte nur noch relativ wenig Zeit dafür Musik zu machen, die Du Dir dann gerne anhörst und weiterverwendest.

Dass bei der GEMA nicht alles glatt läuft ist kein Geheimnis und darf nicht akzeptiert werden – doch dass das Urheberrecht in Frage gestellt wird ist extrem dreist gegenüber allen Künstlern, die damit ihr Geld verdienen müssen und obendrein Zeichen völliger Ignoranz.

Mir ist die Diskussion überhaupt nicht egal, aber sie geht mir brutal auf den Sack. Alles was ich will, ist gute Musik komponieren und hoffen, dass sie Anderen ein Genuß ist. Doch dafür muss ich meine Wohnung bezahlen können, sonst muss ich zum Tengelmann an die Kasse und dann ist Schluss mit Musik.

Jan am 25.05.2012 um 17:52 Uhr

Messel,
Diese Diskussion ist prima, streift allerdings nur ansatzweise das grundlegendere Problem genereller Kulturverwertung. Zusammengefasst wird diese Debatte zwischen drei Interessengruppen ausgetragen: der Contentwirtschaft und Verwertungsgesellschaften, der sogenannten Netzgemeinde und den Urhebern.

Im Kern (und das lese ich auch in deinem Post) geht es den Urhebern um die Vergütung ihrer Arbeit – Künstler müssen schließlich von irgendwas leben und das sage ich, weil ich diverse kreative Köpfe in meiner Umgebung habe und die Problematik kenne. Das Gute ist, dass weder Industrie noch Nutzer (in ihrer Mehrheit) dagegen sind. Allerdings will auf der einen Seite die Industrie die Marketing- und Preishoheit über die Produkte behalten, auf der anderen Seite fordern politische Sprecher der Netzgemeinde eher pauschale Vergütungsmodelle (Kulturflatrate, Kulturwertmarke, etc.).

Das Problem der Urheber dabei ist, dass sie weder das Kapital noch die Lobbyisten auf ihrer Seite haben, keine gesellschaftlichen Mehrheiten bilden (im Gegensatz zu den Nutzern des Internets) und sie eine Gruppe von Individualisten (Übereinstimmung wird meist von außen erzeugt, wie beim “Wir sind die Urheber” Brief) darstellen. Sie sind allerdings auch die einzige Schnittstelle zwischen “Content-Mafia” und sogenannte “Raubkopierern”. Tim Renner hat das auf Motor.de schön beschrieben.

Es geht also nicht wirklich um die GEMA-Frage, sondern eher darum einen Weg zufinden, wie Künstler ihre Vergütung erhalten, ohne sich in die Abhängigkeit von intransparenten Verwertungsgesellschaften zu begeben. Und genau hier kommen wir zu den pauschalen Modellen von Piraten und CCC zurück, die wiederum eine ganze Reihe von neuen Debatten auslösen – so muss das Urheberrecht auf eine neue Grundlage gestellt werden, die den Akzeptanzverlust stoppt, Schutzfristen müssen verkürzt und
straf- und zivilrechtliche Verfolgung von Filesharing und privaten Kopien auf kommerzielle Verstöße beschränkt werden, etc. Nachlesen kann man das alles bspw. beim CCC. Es wäre gut diese Debatten asap zu führen und sich auf Lösungen zu einigen.

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