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Books/Bücher: Wo die wilden Maden graben & Muff Potter

von Alex am 30.06.2011   |   Musik & Film, Sonstiges

Diejenigen, die den Unsinn, den wir hier fast täglich verzapfen schon länger mitverfolgen, können sich vielleicht noch an meine halbgaren Versuche erinnern, ein paar der vielen Bücher, die ich so lese zu besprechen/vorzustellen oder was auch immer. Fakt ist, das ich mir relativ schwer tue, bei „regelmäßigen Kategorien“, regelmäßigen Content zu liefern. Der Versuch, hier eine Kategorie namens Books/Bücher zu etablieren ist kläglich gescheitert. Das lag aber nicht daran, das ich zu wenig Lesematerial oder keine Zeit zum lesen hatte. Man mag es kaum glauben, aber ich lese trotz meines vollgestopften Tages (fast) jeden Abend immer noch ein paar Seiten, meistens im Bett und mit Stirnlampe, damit meine +1 auch ihren dringend benötigten Schlaf bekommt.

Was ich mit dem ersten Absatz sagen will, ist das ich mal wieder einen Versuch starte, dieser Kategorie ein bisschen neues Leben einzuhauchen und hier mal mehr oder weniger regelmäßig ein paar Buchtipps abzugeben. Ob ich dazu dann ein kleine Rezension schreibe oder euch einfach nur befehle empfehle das Buch zu lesen, weiß ich jetzt auch noch nicht genau.

Ausschlagend dafür war das Buch Wo die wilden Maden graben von Nagel, ehemaliger Gitarrist und Sänger von Muff Potter, das ich auf dem Rückflug von Barcelona am Sonntag begonnen habe zu lesen. Jetzt werden einige denken, ach alter Hut, das Buch ist ja schon sowas von 2007… Ihr habt recht, das ist mir aber egal, denn wenn es ein Buch schafft, dass die Wartezeit auf einen Anschlussflug (obacht: Wortspiel!) wie im Flug vergeht und mich dann auch noch bei manchen Passagen laut loslachen lässt, dann ist das Buch auf jeden Fall eine Empfehlung wert.

In seinem halb-fiktiven Debütroman erzählt Nagel im Wechsel, Anekdoten aus dem Touralltag (s)einer großartigen Punkrock-Band und Erinnerungen an die Jugendzeit in einer Kleinstadtprovinz, der er aber rechtzeitig entflohen ist. Der Hauptprotagonist des Buches muss sich mit massiven Identitätsproblemen auseinandersetzen und wir begleiten ihn auf einer emotionalen Achterbahnfahrt zwischen Glücklichsein und dem Gefühl absoluten Scheiterns und nicht auf einem Roadtrip, der den verromantisierten Touralltag einer Band beschreibt.

Heute sind sie alle da: die Muckertypen, die Dorfpunker, die Aktivistinnen von der örtlichen Attac-Gruppe, die Kids in den viel zu großen, mit frechen Sprüchen bedruckten T-Shirts. «Wir sind das OB-Team, in der Regel sind wir voll« und ähnliche Klopper. Fremdschämen ist angesagt, und gleichzeitig muss ich über diesen T-Shirt-Aufdruck lachen. ….

… Was alle Besucher heute Abend vereint: Sie sind nicht cool, aber sie haben Bock. Sie sind laut, enthusiastisch und hungrig. Sie wollen was erleben. Ich kenne ihr Leben, ich habe es auch gelebt. Ich weiß, woher sie kommen. Die erdrückende Enge der Kleinstadt, die Beklemmung, das Gefühl, dass man jeden Straßenzug in- und auswendig kennt, dass es nichts zu entdecken gibt außer Alkohol und Zigaretten. Langeweile und Tristesse lauern hinter jedem Vorhang. Und wenn dann doch mal was los ist, sind sie alle da.

Die Geschichten haben mir wohl deshalb so gut gefallen, da ich mich ein stückweit damit identifizieren konnte und selbst weiß, was es heißt in der Provinz aufzuwachsen und nicht den ganzen Mist mitzumachen der einem dort vorgelebt wird. Das gleiche gilt für Musik, die mir extrem wichtig ist, seit ich bewußt das erste Mal Songs angehört habe und wusste, das ist mein Ding. Zwar nicht als Gitarrist in einer Band, aber mit Musik jeglicher Art als ständigen Wegbegleiter meines Lebens. Da sitze ich nun am Flughafen und habe plötzlich Bilder und Erinnerungen im Kopf, an die ich schon seit über 10 Jahren nicht mehr gedacht habe. Gleichzeitig ertappe ich mich dabei, wie ich nach dem iPod greife und den perfekten Soundtrack für die restliche Heimreise suche. Ich denke an das Konzert, das Muff Potter hier im örtlichen JUZ, kurz nach dem Erscheinen des Romans, gespielt haben und verstehe, das ein Kapitel aus dem Buch, stellvertretend für alle Jugendzentren der Provinz steht. Auch für das bei uns.

Für mich eines der großartigsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Wer das Buch noch nicht kennt, sollte es jetzt lesen. Unbedingt. Ich höre wieder die Muff Potter Alben und mir wird bewußt, dass ich das schon viel zu lange nicht mehr getan habe. Und dann wird mir wieder einmal klar, das ich eine der besten deutschsprachigen Bands nie wieder live sehen werde, da sie sich 2009 aufgelöst haben. Wenigsten habe ich die Musik die bleibt.

1 Kommentar

mandarine_one am 30.06.2011 um 13:21 Uhr

Das Buch ist so großartig, dass ich mir sogar die Hörbuch-Variante gekauft hab. Ich glaube ja das sich mit dem Buch so gut wie jeder identifizieren kann, der aus der Provinz kommt und sein Herz an Musik und dergleichen verloren hat. Jedenfalls ging es mir ähnlich wie dir.

Und immer wieder bin ich froh, dass ich beim Abschlusskonzert in München war. Hätte ich mir nie verziehen, Muff Potter nicht nochmal gesehen haben.

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