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Give us the drugs, now!

von Flo am 07.06.2011   |   Sonstiges

Achtung, dieser Text ist schon etwas älter. Wie ihr in der Einleitung lesen könnt handelt diese Geschichte von unserem Kroatien Urlaub im letzten Jahr und ursprünglich wurde er auch nicht für hier sondern für mein „live … but how to live it???“-Fanzine geschrieben. Da ich zur Zeit ehrlich gesagt nicht die Muse und die Zeit habe mich arg viel ums Fanzine zu kümmern und somit auch nicht weiß wann die nächste Ausgabe erscheinen wird, dachte ich mir, dass ich den Text ja auch einfach hier veröffentlichen könnte. Ab dafür!

Im Juni 2010 habe ich mich mit meiner Freundin auf den Weg Richtung Kroatien gemacht. Urlaub! Sonne, Meer, Kopf abschalten und alles mal hinter sich lassen. Die Autofahrt an sich ging eigentlich relativ problemlos vonstatten. Irgendwann steigt einem die ständige Hitze, die das Auto aufheizt, zwar doch irgendwie zu Kopf, alles in allem aber ging es ohne große Verzögerungen, Staus oder Pannen recht zügig voran.

Dass sich die Kosten, neben dem Sprit fürs Auto, allein für die Fahrt als relativ hoch erweisen würden war mir zwar klar, dass dann aber teilweise so abgezockt wird hätte ich mir dann doch nicht erträumen lassen. 8 Euro für eine 10-Tags-Vignette für Österreich plus 30 Euro für eine 1-Monats-Vignette für Slowenien plus 7 Euro Mautgebühr für die Tauernautobahn, und so weiter und so fort. Wahrscheinlich bin ich aber selbst schuld, man kann das bestimmt irgendwie geschickter umfahren, würde man vor der Reise ein wenig besser recherchieren …

Das Passieren der Grenzen war bis Kroatien auch kein Problem. Zum einen sind die ja eigentlich alle offen, zum anderen haben wir jetzt nicht so den Verdächtigen Eindruck gemacht, dass man uns hätte auseinander nehmen müssen. Meiner Meinung nach zumindest.

Die Grenzbeamten an der kroatischen Grenze sahen das wohl etwas anders und haben uns bei der routinemäßigen Ausweiskontrolle erstmal angewiesen, rechts ran zu fahren. Gesagt, getan. Nachdem ich das Auto zum stehen gebracht habe kamen erst einmal zwei kroatische Grenzheinis auf uns zu und der jüngere von beiden (dem man übrigens sofort anmerkte, dass er seinen Job eher wählte um irgendwelche Machtspielchen auszuüben als etwas für die landesinterne Sicherheit zu tun) machte uns klar dass wir sofort alle Drogen herausrücken sollten oder wir sonst in den Knast wanderten.

Unsere darauf folgende Antwort „We have no drugs!“ ignorierte er gekonnt und wies uns darauf hin, dass wir nun entweder alles rausrücken könnten, ein wenig Geld bezahlen und einen schönen Urlaub hätten, oder sie nun das Auto durchsuchen, eh alles finden und unser Urlaub zu Ende wäre.

„Give us the drugs, now!“, wies der Machtbesessene Zwerg uns erneut an, worauf er logischerweise wieder die Antwort „We have no drugs!“ zurückbekam. Allmählich wurde der uniformierte Herr ein wenig stinkig und erklärte mir, sie hätten hier ein Messgerät und dieses Messgerät hätte bei unserer Einfahrt in die Grenze in meinem Auto irgendwelche Partikel oder Moleküle von Drogen gemessen und sie wüssten Bescheid. Wenn wir ihnen jetzt nicht sofort die Drogen geben würden, wäre es an der Zeit das Auto zu durchsuchen und dann wären wir geliefert.

Ich gab dem Herren mein „Okay“ das Auto zu durchsuchen als sie uns noch mitteilten, dass sie jetzt 10 Minuten suchen würden und wenn sie bis dahin nichts gefunden hätten, müsste der „Police Dog“ kommen und sich das Auto genauer ansehen.Während der Jüngere der beiden Beamten anfing das Auto zu durchsuchen, wies der ältere Herr mich daraufhin, ihm doch bitte zu folgen.

Wir gingen in einen kleineren Raum indem, außer so einem Aluschrank und einem Stuhl auf dem ein Gummiknüppel lag, nichts war und er gab mir den Befehl, meine Taschen aus zu leeren. Als er merkte dass außer ein paar Tabakbeuteln, einem Feuerzeug und den Autoschlüsseln nicht viel zu holen war, zeigte er auf mein T-Shirt und gab mir zu verstehen, dieses auszuziehen. Nach einer 360° Drehung und dem erneuten Beweis, dass ich nichts bei mir führte, wies der gute Herr mich dann an meine Hose auszuziehen.

Sichtlich genervt von dem ganzen Trara, dass die Typen hier veranstalteten, zog ich gleich alles aus, machte dem Beamten klar, dass ich keine Drogen bei mir habe und er nahm mich, nachdem ich mich wieder angezogen hatte, wieder mit zurück zum Auto.

Als wir gerade wieder am Auto standen, durfte meine Freundin das gleiche Spielchen absolvieren und wurde (in Begleitung einer GrenzbeamtIN)  in einen extra Raum geführt.

Der jüngere Grenzbeamte, dessen garstige und arrogante Art schon einen gewissen Hass in mir ausgelöst hatte, bat mich zu sich, dass ich genau überwachen sollte wie er meinen Geldbeutel und meine Wertsachen durchsucht. Gut so! Hätte ja auch gerade noch gefehlt, dass der „ach so faire“ Grenzbulle sich an meinem Geld bereichert. Zugetraut hätte ich es ihm ja …

Nach einiger Zeit des Durchsuchens und immer wiederkehrenden Rückschlägen für die Staatsgewalt, da sie immer noch keine Drogen ausfindig machen konnten, gab mir mein junger Freund dann zu verstehen, dass sie nichts gefunden hätten. Als er mir mitteilte, dass wir jetzt 2 Stunden auf den „Police Dog“ warten müssten und ich innerlich schon diese 2 Stunden hier rumsitzen vor Augen hatte, kam er schnell zur Sache und gab mir zu verstehen, dass sie jetzt auch keine Zeit hätten und ihnen das zu lange dauern würde bis der Hund da wäre.

„I‘ll bring your passports and then you can drive …“, waren die letzten Worte die ihm ein wenig enttäuscht über die Lippen wanderten.

Dass sie eigtl. Jetzt schon wussten, dass der Polizeihund (den es höchstwahrscheinlich gar nicht gibt) nichts finden würde und sie sich selbst diese Peinlichkeiten ersparen wollten, wagte er nicht zu sagen, aber sich Fehler eingestehen war ja noch nie eine Stärke der Polizei.

Als mich die freudige Nachricht erreichte, dass es nun endlich weitergehen konnte, wurde auch gerade meine Freundin zum Auto zurückgebracht, wir erhielten nach ca. 1 Minute unsere Ausweise zurück und konnten weiterfahren.

Als wir uns danach noch eine Weile über den eben geschehenen Zwischenfall unterhielten, wurde uns beiden sehr schnell klar, wie hilflos man diesem ganzen Staatsapparat doch ausgeliefert war. Hätte einer dieser Bullen nun Lust dazu gehabt uns hinter Gittern zu sehen, so hätte er das auch locker geschafft. Dazu hätte er keine Drogen finden müssen … die haben die ja auch zur Genüge bei sich selbst rum liegen.

Zurückblickend bin ich jetzt froh, dass alles noch positiv ausgegangen ist, ich nun über irgendwelche nicht-existenten-Drogenmolekül-Messgeräte informiert bin und einer in meinem Kopf vorhandenen Denke durch diesen Vorfall wieder ein wenig mehr Präsenz und Druck verliehen wurde: „I‘m still not loving the Police!“.

6 Kommentare

rollbaum am 08.06.2011 um 00:13 Uhr

20euro für die bullen hätte dir sämtliche unanehmlichkeiten erspart. They have a nice thing in croatia… it is called corruption… ;)

milan am 08.06.2011 um 10:40 Uhr

Ja, so oder so ähnlich kann dir das aber auch mitten in München passieren …

on the count o‘ three …
http://www.youtube.com/watch?v=-B0Oens2HUo&playnext=1&list=PLCCF937A36A26A062

Rebecca am 08.06.2011 um 10:47 Uhr

geil, original so haben wir das letztes Jahr auch an der kroatischen Grenze erlebt!

F am 08.06.2011 um 12:30 Uhr

naja.
Biertest sind eher euer Ding.
so spannend ist die story eher nicht.

wen es überrascht das Korruption und Bestechung noch immer (auch in vermeintlich entwickelten Staaten) an der Tagesordnung ist, der scheint ja sehr naiv zu sein.

Ich hab sicherlich schon direkt und indirekt so um die 150€ an Bakschisch bezahlt.
Ich red mir ja immer ein das der indische Beamte, der nepalesische Polizist oder der chinesische Grenzsoldat ne kleine Tochter hat die nun ein neues Schulbuch bekommt.

PS: Profis legen den 20€ Schein (oder das Äquivalent…) direkt in den Pass. Will er was, nimmt er es raus. Will er nix, lässt er es drin.
Und dir kann man kaum etwas vorwerfen.

naja, das war mal wieder mein übliches Gemecker.
Grüße

Tobboo am 09.06.2011 um 11:00 Uhr

Also ich fahr schon über Jahre nach Kroatien, und wenn da oft 4-5 Männer mit Bärten drin sitzen sieht das auch oft ziemlich verdächtig aus, aber wir wurden bisher nie raus gezogen. Wir wurden auch nie nach Drogen gefragt, bisher nur nach Waffen. o_Ô

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