Twitter Facebook

Wer hat an der Uhr gedreht?

von Flo am 31.05.2011   |   Sonstiges

Irgendwie ist das schon komisch. Es ist 18 Uhr, die Sonne steht hoch am Himmel, du sitzt in deinem Auto und fährst vom einen Büro ins nächste und fängst an zu sinnieren, was eigentlich in den letzten 3,5 Jahren alles so passiert ist.

Im November 2007 startete ich dieses Ding, welches sich Blog schimpft. Damals noch unter einer Domain, die mir eine belgische Porno-Produktionsfirma irgendwann für knappe 3.000 Euro abkaufen wollte. Ich lehnte ab. Schliesslich hing mein Herz da dran und die ganzen Freunde und stellenweise auch fremden Besucher, die täglich so vorbeischauten, gaben mir die Bestätigung, dass es richtig war, sein Herz da dran hängen zu haben. Die Idee dazu kam damals als ich nach Augsburg gezogen war. Ich mit meinen 19 Jahren, in der ersten eigenen Wohnung, wenig kontaktfreudig und auch nicht sonderlich scharf darauf Leute kennenzulernen. Ich schrieb viel über mich und meinen Freundeskreis, stellte irgendwelche Links zu coolen Netzfundstücken dort rein und ließ es mir auch nicht nehmen mal ein paar witzige Fotomanipulationen von guten Freunden zu veröffentlichen. Ein Blog eben. So einer, wie es tausende da draußen gab. Nichts besonderes, aber trotzdem individuell.

Wie das so ist wenn man sich sehr intensiv mit einem Thema beschäftigt, wuchs auch ich immer mehr in dieses ganze Ding hinein. Ich lernte Twitter kennen, konnte mir plötzlich irgendwelche Gesichter zu irgendwelchen Nicknames im Kopf ausmalen und freute mich natürlich auch über gewisse Anerkennung, die man für seine Arbeit bekam. Internet. Eine riesige Traube an Informationen, von denen mich ein paar Interessieren, ich sie weiter nach außen trage, mit meinen eigenen Gedanken verfeinere und es tatsächlich auch noch Leute gibt, die das lesen. Verrückte Geschichte.

Einer der wenigen Momente, an die ich mich noch sehr gut erinnere, war, als ich vor ziemlich genau 2 Jahren in Berlin war und nach meiner Rückkehr diesen Artikel veröffentlichte. Christoph kommentierte damals: „Wie jetzt, du warst in Berlin und sagst nix? Doooh!“ – Ja, warum war ich in Berlin und sagte eigentlich keinem von den Leuten Bescheid, die ich über das Internet kannte und von denen ich auch wusste, dass sie aus Berlin sind!? Möglicherweise herrschte damals noch so eine strikte Trennung in meinem Kopf. Trennung wie sie uns auch heute noch von den Medien eingetrichtert wird. Trennung zwischen der „Virtual Reality“ und dem „Real Life“ … ich weiß es nicht. Auf jeden Fall habe ich mittlerweile, bis auf ein paar Ausnahmen, alle Internetbekanntschaften (Christoph übrigens auch) in „echt“ getroffen und bin mehr als froh darüber.

Es dürfte im Januar 2009 gewesen sein, als mein Bruder (der Alex, den ihr ja mittlerweile auch kennen dürftet) auf mich zukam und meinte, dass er auch gerne einen Blog betreiben würde. Kein Schnickschnack, ohne viel Aufwand, wenn ich kein Problem damit hätte könnte ich auch einfach mein Theme verwenden und die Farben ändern, und gut ist. Klar! Eine WordPress-Installation dauert bekanntlich nur 5 Minuten und das Theme war auch gleich eingespielt. „Los gehts, Bruderherz!“, dachte ich mir und so fing er an Beiträge zu publizieren. Viele Beiträge. Viele Beiträge, die auch ich eins zu eins so rausgehauen hätte und das teilweise auch so tat. Family eben, da tickt man ähnlich, manchmal sogar erschreckend ähnlich und so lag es auch sehr nahe, dass ich mir ein paar Monate später einen „Arbeitsplatz“ neben seinem anmietete und wir uns die Nächte um die Ohren schlugen um nebeneinander unsere Feedreader durchzuackern.

Es war seine Idee, irgendwann den Vorschlag zu bringen, ob es nicht Sinn machen würde, das Ganze zusammen zu legen. „Wir schreiben eh fast einmal pro Tag über das Gleiche …“ oder so ähnlich waren seine Worte damals und ich konnte nicht abstreiten, dass das erstens tatsächlich so war und ich mir zweitens auch schon Gedanken über ein „Zusammenlegen“ der beiden Blogs gemacht hatte.

Wir haben Ideen entwickelt, wochen-, wenn nicht sogar monatelang, einen Namen gesucht und schlussendlich die Domain welikethat.de registriert und von dort an gemeinsam Beiträge publiziert. Beiträge, die noch immer Anklang fanden und aus was für Gründen auch immer, dafür sorgten, dass die Besucherzahlen stetig nach oben stiegen, die Mails immer mehr wurden und auch die Resonanz durchwegs immer positiv blieb. Wir haben, anstatt stundenlangem gemeinsamen Feedreader lesen, an Ideen geschraubt, Sachen optimiert und uns um Anfragen gekümmert. Fluchen, Lachen, Freuen … Dinge die man so tut, wenn man mit hundertprozentigem Einsatz eine Sache verfolgt und diese stetig verbessern will.

Ich weiß nicht mehr ganz genau wann es war, aber es dürfte wohl einer dieser oben öfter genannten Optimier-, Ideensammel-, Feedreaderchecken-Nächte gewesen sein, als ich auf die Schnaps(!!)idee kam, dass wir jede Woche einen Biertest veröffentlichen könnten. Die Idee fand schnell Anklang beim Bruder, und auch beim zweiten Bruder, den wir mittlerweile ins Boot geholt hatten, so dass es schon fast gar kein zurück mehr gab und wir die Sache durchziehen mussten. Wir fingen also an Videos zu drehen, Videos, die von den Leuten toll angenommen wurden, unglaubliche Reaktionen hervorriefen und in uns selbst die Herausforderung weckten, noch professionellere Teile abzuliefern. Dinge die man so fühlt, wenn man mit hundertprozentigem Einsatz eine Sache verfolgt und diese stetig verbessern will.

Obwohl diese „We Like Bier“ Sache erst seit 3 Monaten läuft, war sie glaube ich, aufgrund der Zeit die man investiert und nebenbei trotzdem noch tolle Beiträge veröffentlichen will, der größte Wandel während der ganzen „Bloggeschichte“. Dieser „Bloggeschichte“, die einst mal in einer kleinen Wohnung eines Auszubildenden anfing.

Aus einem Hobby wurde eine Verpflichtung. Eine Aufgabe. Eine regelmäßige Arbeit, der man wöchentlich mehrere Stunden widmen muss um Sie professionell voranzutreiben. Eine Arbeit, der man mit größtmöglicher Leidenschaft nachgeht und sie auch noch liebt, wenn sie manchmal zur Anstrengung wird. Eine Arbeit die schmeckt, Spass macht, einen auf Reisen schickt, kostenloses Bier besorgt, inspiriert und trotz alle dem gewissermaßen eine Verpflichtung bleibt, der man selbst gerecht werden will.

Ich muss gestehen, ich bin momentan an einem Punkt, an dem ich nicht weiß, wie das Ganze weitergehen wird. Ich würde diese Sache hier für kein Geld und auch für keine Stunde Schlaf der Welt hergeben und mich zurückziehen, mir fehlen nur oft die Abende an denen ich sage: „Hey Dude, heute Kneipe und treffen und morgen auch und übermorgen auch und überübermorgen auch …“, weil ich den inneren Druck verspüre, mich dieser Sache zu widmen. Zumindest einen Abend lang. Oder auch zwei oder drei, da mindestens einer ja schon für „We Like Bier“ drauf geht.

Ich könnte jetzt anfangen mich zu beklagen, warum die Woche nur 7 Tage hat, das würde hier aber keinen von uns weiterbringen. Fakt ist, dass es so ist, ich 4 Tage in der Woche einem Job nachgehe, der mich tagsüber komplett einspannt und ich Abends öfter mal das Bedürfnis verspüre, mich mit meinen Freunden zu treffen, das dann aber nicht tue, weil mich die Ideen in meinem Kopf und der Drang Sachen wegzuarbeiten vor den Rechner „zwingen“. Ein „Zwang“, der eigentlich nicht als solches ausgelegt werden kann, da er eher Spass und Freude bedeutet. Ein „Zwang“ der mich eventuell überlegen lässt, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen und mich außerdem noch an das Tattoo denken lässt, dass sich der wohl beste Freund bald stechen lässt. Eine Uhr die 5 vor 12 schlägt.

Bilder geklaut von mnsc und madame-miezie auf Flickr.

23 Kommentare

honki am 31.05.2011 um 00:37 Uhr

Ich fühle mit dir. Die Dinge haben sich verändert. Viele Entscheidungen müssen getroffen werden, auch wenn Sie schwer fallen. Marco (mindsdelight) meinte letztens zu mir – wenn du bereits drüber nachdenkst, hast du deine Entscheidung eigentlich schon getroffen.

Ich glaube er hat Recht damit. Ich finde es auf jeden Fall fantastisch was ihr hier in den letzten 12 Monaten aufgebaut habt und werde ich euch gerne weiter unterstützen :)

Paulchen am 31.05.2011 um 00:38 Uhr

[schleimmodus]<3 Ich mag dich. Und deine Brüder auch :) [/schleimmodus]

Fänd es auch nicht so schlimm wen die WeLikeBier Vlogs jede zweite Woche kommen, oder so. :)

Kollektivselektiv am 31.05.2011 um 00:52 Uhr

Nett geschrieben. Befinden uns gerade an einem Punkt der irgendwo kurz nach dem Anfang deines Textes liegen dürfte.

Viel Erfolg mit dem „Zwang“, der vielleicht eher eine Verlockung ist.

Wenke am 31.05.2011 um 01:44 Uhr

alter tu es, ich kann dein herz (lauthals schreiend: welikethat) bis in die hauptstadt hören. ok es gröllt und rülpst auch ein wenig, aber hey flo es will/du willst es so sehr :-)

stiller am 31.05.2011 um 08:22 Uhr

Ist tatsächlich gar nicht mal so einfach zu entscheiden. Persönlich habe ich gemerkt, dass die Qualität leidet, wenn bloggen zum „Zwang“ wird. Dann lieber weniger und seltener und dadurch möglicherweise besser. Und wie Paulchen sagt, WeLikeBier alle zwei Wochen ist doch auch völlig in Ordnung. Dann kannste eine Woche privat Bier trinken und eine Woche „beruflich“. ;)

Chris am 31.05.2011 um 09:52 Uhr

Ich bin froh, dass es euch gibt ♥
Im Ernst: Druck? Der kam ich vier Jahren DokBlog nur ganz ganz sporadisch mal auf.
Bei mir isses aber auch so; dass meine Leser und Besucher nix/nicht viel erwarten. Ich weiß nicht ob es finanziell ein Problem für euch wäre, Pause zu machen. Sonst: Mach! DIE Leser die ihr habt, bleiben dabei. Das weiß ich. Weil ihr gut seid!

Tobboo am 31.05.2011 um 10:04 Uhr

Schöner Text! Man kann findet sich oft selber darin wieder! :-)

Und: Veränderungen sind immer gut!

Mak Simay am 31.05.2011 um 10:34 Uhr

Jeden Tag, seit ca 3 Jahren klicke ich auf eine Seite die sich FUCKER bzw jetzt Welikethat nennt, ich weiss nicht warum und wie aber irgendwie haben mich die Irrwege des Internets auf diese Seite geführt.Seitdem Besuche ich sie jeden Tag, ich hinterlasse keine Kommentare bin quasi nur einer unter vielen Besuchern.Trotzdem freue ich mich jeden Morgen wenn mein Chef mich grade wieder wegen irgendeiner Nichtigkeit anscheisst,eure Seite zu besuchen und meinem Kopf den Content zu gönnen der ihn wirklich interessiert. In dem Sinne ILIKETHAT!

Marco am 31.05.2011 um 11:27 Uhr

Ich werde zitiert! Yeah! Ich bin ein Denker! :D

Nein, aber… ähm… les ich da was von Aufbruchstimmung oder ist das nur generelles beklagen der derzeitigen Situation?
Und überhaupt. Ihr seid zu dritt. Da kann jeder mal kürzer treten und sowieso schreibt ihr für euch und eure Leser und für keine Company. Sucht euch bzw du dir nen Takt, in dem das für dich funktioniert.

Aber viel wichtiger ist: Ich wurde zitiert. Yeah. :D

OddNina am 31.05.2011 um 13:44 Uhr

Ich kann mich noch genau daran erinnern als du mich letztes Jahr an meinem Geburtstag empfohlen hast und ich beinahe von Stuhl gefallen wäre n_n
Mir fällt es manchmal schwer mir andauernd neue Themen zu suchen, die mich so sehr interessieren, dass ich darüber berichten wollen würde und mir fällt auf, das ich lange versuchte nur über Dinge zu schrieben die anderen gefallen könnten. Das ist Mist und das versuche ich jetzt zu ändern.

„Mach immer was dein Herz dir sagt“

Damian am 31.05.2011 um 15:16 Uhr

Sehr sehr schön geschrieben.

Ich mag euch. Ich empfehle euch auch ständig und habe euch neulich auch als positives Beispiel für „Linkschleudern“ verwendet…und zwar weil ihr noch Herz habt. Sehr viel sogar.

Und wegen dem Kennenlernen: Ich denke langsam in die andere Richtung. Ich überlege mir sogar, mal ein paar Tage nach Deutschland zu reisen und da ein paar Blog-Bekanntschaften zu besuchen. Just for the Lulz.

andre am 31.05.2011 um 15:54 Uhr

„einem Job nachgehe, der mich tagsüber komplett einspannt und ich Abends öfter mal das Bedürfnis verspüre, mich mit meinen Freunden zu treffen, das dann aber nicht tue, weil mich die Ideen in meinem Kopf und der Drang Sachen wegzuarbeiten vor den Rechner “zwingen”.“

Voll dito! Guter Text!

MC Winkel am 31.05.2011 um 16:26 Uhr

Wir haben ja drüber geredet; machen!
Wie ich sagte: glücklich werden/sein ist wichtiger, als vermeintliche, finanzielle Sicherheit. Und: irgendwas ist ja immer. :)

(ich bin auch schon recht lang am Mitlesen und find’s auch derbe, wie sich das hier entwickelt hat. Und da geht noch mehr, ich spür’s! :))

Props!

Ben am 31.05.2011 um 19:02 Uhr

Ich hoffe ihr bleibt uns noch lange erhalten. Und werdet immer weiter machen! Weil was ihr hier macht ist der Hammer. Ich blogge selber auch schon länger. Immer schon ohne viele Leser aber mir macht es dennoch Spaß.

Maik am 31.05.2011 um 21:53 Uhr

Ich weiß genau, was du meinst und du schreibst mir da ein wenig aus der Seele. Man verspürt wirklich den Drang, nach der eigentlichen Arbeit oder in den Mittagspausen der privaten „Arbeit“ nachzukommen. Das ist nunmal eine Doppelbelastung und man selbst muss sich klar machen, was davon Champions-League und was Bundesliga ist.

Ich für meinen Teil würde es schade finden, wenn ihr/du das Bloggen sein lassen würdest/müsstest.

Jaycee aus dem Atomlabor Wuppertal am 31.05.2011 um 22:19 Uhr

Naja, irgendwann sollte man auch finanzielle Sicherheit erreichen … aber eigentlich sind wir ja noch jung und daher haut rein !

Emser hat recht, wenn er schreibt das irgendwas immer kommt und klar ist es ein Risiko aber wenn der Schritt schon so weit ist und man es nicht alleine macht funktioniert es sicher auch.
Toi Toi Toi

wumi am 01.06.2011 um 00:22 Uhr

Baby, verbrenn`Dich nicht! Wer sich zu sehr anstrengt läuft Gefahr die Muse zu verlieren.
Irgendwann fällt einem auf das alle guten Platten/Filme/Bücher/Konzerte nur weitere Punkte auf der überlangen to do liste geworden sind. Große Scheiße! Der „Zwang“ kommt mir auch bekannt vor. Take care.
Aber mach unbedingt weiter. So!

Rapresent am 01.06.2011 um 08:48 Uhr

Mit deinem Text kann ich mich nur zur gut identifizieren. Man wächst da irgendwie hinein und stößt immer wieder auf neue, spannende Ideen, die noch mehr Zeit rauben. Und irgendwann kommt der Punkt an dem man sich für eine Richtung entscheiden muss.

Wenn es dir/euch möglich ist davon zu leben wieso denn nicht? Und wenn es nicht klappt hat man es zumindest versucht. Ich denke die Blogosphäre wird langsam erwachsen. Es ist halt mehr als nur ein Hobby. Macht auf jeden Fall weiter so!

hotzen am 01.06.2011 um 11:55 Uhr

Erstmal vielen Dank an alle für das viele Lob und den regen Zuspruch :)

Ein paar Punkte wurden glaube ich falsch verstanden. Ich will mich auf keinen Fall von hier zurückziehen und in Sachen „We Like That“ auch nicht kürzer treten, sondern eher das Gegenteil tun. Ich habe viele Ideen, in welche Richtung sich gewisse Dinge entwickeln können nur fehlt mir stellenweise einfach die Zeit mich drum zu kümmern. Die Überlegungen die ich mir hierzu mache gehen eher in die Richtung, wie kann sich mein Leben ändern, sodass ich mehr Energie und Zeit hier rein investieren kann.

Der Text war einfach mal wieder ein gewisses „Ballast abladen“ … muss auch mal sein ;) – und keine Angst, hier geht auf jeden Fall alles so weiter wie bisher ;)

Chet am 19.09.2012 um 03:29 Uhr

Hey! I know this is kinda off topic but I was wondering if you knew where I could locate a captcha plugin
for my comment form? I’m using the same blog platform as yours and I’m having problems finding one?
Thanks a lot!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *