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Im Zwiespalt – Wie viel Leistungsdruck hält der Skateboard-Nachwuchs aus?

von Flo am 25.10.2016   |   Skateboarding

Ursprünglich war dieser Beitrag nur dazu gedacht euch diesen 5-jährigen Shredder zu zeigen, aber irgendwie hat das alles dann ein paar Gedanken in mir ausgelöst.

In den letzten Jahren gehen immer mehr Skatevideos von kleinen Kids durchs Netz die wir alle unglaublich cool finden. Klar, die Jungs und Mädels sind verdammt jung, können oft gerade erst so laufen und ballern schon Kickflips oder Frontside-Flips 5er Stufen runter. Das ist unglaublich faszinierend, vor allem wenn man vielleicht selbst in einem jungen Alter angefangen hat zu skaten und deswegen die Schwierigkeit solcher Tricks kennt. Auf der anderen Seite bringt mich so etwas immer ein bisschen zum Nachdenken und ich versuche jetzt mal zu erklären warum.

Ich selbst bin mit ca. 8 Jahren das erste Mal aufs Brett gestiegen und war danach auch viele Jahre nicht mehr davon weg zu kriegen. Jeden Tag nach der Schule gabs nur noch dieses Rollbrett und mich und nach einem anstrengenden Tag und (im besten Fall) neu gelernten Tricks hab ich mir Abends im Bett schon wieder Gedanken gemacht was ich denn am nächsten Tag so ausprobieren könnte. Das ging viele viele Jahre so und meine Eltern haben mich immer dabei unterstützt, mich auf Contests gefahren oder mir ein neues Deck gekauft, wenn denn wirklich mal eins gebrochen ist. Die hatten Verständnis für die Leidenschaft ihres 8-,9-,10-jährigen Jungen ohne dabei jemals irgendwie das „Gleichgewicht“ aus den Augen zu verlieren. Und dieses „Gleichgewicht“ seh ich irgendwie so dahin schwinden bei vielen manchen von diesen jungen Kids bzw. ihren Eltern.

Ich erinnere mich als ich die ersten Male Footage von Nyjah Huston gesehen habe. Da war dieser junge Dude mit Dreadlocks der einen Wahsinnstrick nach dem anderen rausgehauen hat und nicht mehr zu stoppen war. Das hat mich unglaublich beeindruckt und fasziniert und ich hab mich immer gefragt warum ich irgendwann aufgehört habe jeden Tag bis zu 8 Stunden aufs Brett zu steigen, dabei ist die Antwort eigentlich ganz einfach. Ich wurde älter und hatte andere Prioritäten und Bedürfnisse. Ganz normale Dinge wie (nicht Skateboard fahrende) Freunde, Mädels, Partys, etc. Erfahrungen, die Nyjah Huston nie so richtig sammeln konnte während der Pubertät, wie er in diesem Video Beitrag (siehe oben) hier erzählt. Sein Vater hat ihn jeden Tag zum trainieren gedrängt und ihn davon abgehalten einfach ganz normale „Pubertäts-Dinge“ zu unternehmen, weil er aus seinem Sohn einen Skateboard-Profi formen wollte, was uns wiederum zu einer möglichen Ursache führt, wieso dieses „Gleichgewicht“ ein bisschen aus den Fugen gerät: Skateboarding ist mittlerweile eine Olympische Disziplin. Also eigentlich will ich damit nur sagen, dass Skaten mittlerweile ein Sport „der großen Masse“ ist und damit eine Menge Geld verdient werden kann, aber es ist ab 2020 wirklich eine olympische Disziplin. Das aber nur nebenbei.

In den 90ern fing dieses Profi Ding so langsam zu boomen an. Es gab da schon eine Menge Profi-Skater, hauptsächlich in den USA (auch in Deutschland ein paar wenige Ausnahmen), aber ich würde mal vermuten, dass die trotzdem noch lange nicht solche Summen verdient haben, wie es heute der Fall ist. Klar, es gibt auch da Ausnahmen wie Tony Hawk, Rodney Mullen, etc. aber so den richtigen großen Boom gabs dann wahrscheinlich erst mit dem Aufkommen des Internets und YouTube und letztendlich dann dem ganzen Erfolg der Street League Events.

Und worauf ich jetzt eigentlich hinaus will: Ich glaube dass sich Skateboarding zu einem Sport entwickelt (bestimmt auch, weil mittlerweile viele Eltern früher auch gefahren sind) der den großen Sportarten wie Fußball, Tennis, etc. in der öffentlichen Wahrnehmung bald in nichts mehr nachsteht. Und das bringt mich in diesen Zwiespalt: Auf der einen Seite freue ich mich für „meinen Sport“, aber auf der anderen Seite bringt diese Popularität auch den gleichen Leistungsdruck für junge Kids mit sich wie es die oben genannten Sportarten jetzt auch schon tun. Das kann ich leider nicht gut finden. Und trotzdem werde ich meinem Neffen demnächst ein Brett schenken und mich freuen falls er Bock hat es auszuprobieren. Und wenn nicht spielt er eben Tennis. Hauptsache er macht das aus Leidenschaft und nicht weil irgendjemand will dass er das macht.

Foto: Saul Lewis

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