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KONY 2012 – Und wieso Gegenargumente nicht immer zählen

von Flo am 07.03.2012   |   Sonstiges

Wer sich täglich auf einem der großen Social Networks rumtreibt ist mit Sicherheit schon über untenstehendes Video gestolpert. Ein 30-minütiger Film, der auf die Verbrechen des Joseph Kony und seiner L.R.A. aufmerksam macht und darauf abzielt, diesen Menschen in der ganzen Welt bekannt zu machen um somit den Druck auf staatliche Behörden zu erhöhen und die Jagd auf ihn noch weiter zu verstärken.

Joseph Kony ist der Anführer der Lord’s Resistance Army („Widerstandsarmee des Herrn“, LRA), einer Rebellengruppe, die die Zivilbevölkerung im Norden Ugandas terrorisiert und der Regierung Ugandas unter Yoweri Museveni den Krieg erklärt hat, mit dem Ziel, ein theokratisches Herrschaftssystem in Uganda einzuführen, das auf den Zehn Geboten basiert.
Die von Kony angeführte Lord’s Resistance Army hat geschätzte 66.000 Kinder entführt und zu Soldaten gemacht und ist für die interne Vertreibung von 2 Millionen Menschen verantwortlich. (Quelle: Wikipedia)

Produziert wurde der Film von der „Invisible Children„, die laut einiger Quellen, nicht ganz koscher mit finanziellen Mitteln, etc. umgeht und somit gleich wieder im Visier der Kritiker steht.

Es ist richtig und wichtig Dinge zu hinterfragen und sich auch zu überlegen wen man wie unterstützt, doch trotz alle dem darf man den wesentlichen Punkt nicht vergessen, der hier eigentlich im Vordergrund steht.

Ich wusste bis vor dem Video nichts von den Verbrechen und habe mich nach dem Ansehen des Teils auch erstmal ein bisschen schlau gemacht, ein paar Artikel über „Invisible Children“ gelesen und bin schlussendlich in Unsicherheit versunken, wie und ob ich dieses Video denn jetzt publiziere. Nicht aus dem Grund, dass ich der Meinung wäre die Thematik müsste nicht an die Öffentlichkeit (im Gegenteil), sondern eher aus dem Grund, dass ich mir nicht sicher war, ob ich die Initiative die dahinter steckt guten Gewissens unterstützen kann und auch will.

Wie so oft bei komplexen Themen, sind es die einfachen Dinge, die einen dann auf die richtige Seite bewegen und in meinem Fall waren das gerade diese 2 Tweets von Christoph:

Wenn euch die Sache am Herzen liegt und ihr ähnliche Gewissensbisse wie ich hattet, dann teilt dieses Ding so oft es geht und wenn nicht dann eben nicht. Aber bitte hört auf, jedem der das Video in der Öffentlichkeit verbreitet eine Moralpredigt zu halten. Irgendwo muss man halt anfangen.

20 Kommentare

Philipp am 08.03.2012 um 01:11 Uhr

Ums kurz zu machen – NEIN! Nur weil eine Sache augenscheinlich einer guten Sache dient finde ich es verwerflich Kritik daran zu verdammen. Das ganze Video ist pure amerikanische Propaganda und ich bin froh darüber das gerade hier in Deutschland eine unreflektierte Propoganda bei vielen Menschen Bauchschmerzen verursacht. Die Problematik von Kindersoldaten, gerade in Uganda, ist seit Jahrzehnten bekannt. Wer in Uganda schert sich einen Dreck darum ob wir Wohlstandkiddies in der westlichen Welt ein Like absetzen? Wo sind die ugandischen Unterstützer des Projektes in dem Video? Der Film fasst für mich alles zusammen was im Irak, in Afganistan und auch in Libyen falsch gelaufen ist.

Philipp am 08.03.2012 um 01:16 Uhr

Abgesehen davon verstehe ich das Zitat der beiden Tweets nicht.

Flo am 08.03.2012 um 01:38 Uhr

„Nur weil eine Sache augenscheinlich einer guten Sache dient finde ich es verwerflich Kritik daran zu verdammen.“ – Habe ich nie getan, lies bitte nochmal genauer wenn du das so aufgefasst hast.

„Wer in Uganda schert sich einen Dreck darum ob wir Wohlstandkiddies in der westlichen Welt ein Like absetzen?“ – Es geht um die Aufmerksamkeit die man erreichen kann und die Menschen in höheren Positionen somit zum handeln drängt.

Philipp am 08.03.2012 um 02:18 Uhr

„Aber bitte hört auf, jedem der das Video in der Öffentlichkeit verbreitet eine Moralpredigt zu halten. Irgendwo muss man halt anfangen.“

Diesen Satz meinte ich. Und ich bin nicht der Meinung jetzt IRGENDWO anfangen zu müssen. Die Organisation ist scheinbar nicht zu unrecht umstritten. Ich finde schon das das zur Disussion gehören sollte, gerade bei einem Thema das seit den 80ern existiert. Es gibt genug seriöse Organisationen die sich seit Jahren damit auseinandersetzen (wenn auch ohne facebooklike-DSLR-Videofunktion).

Ich finde es wert das Anliegen zu unterstützen, ich finde das dieser Mensch zur Rechenschaft gezogen werden müsste. Ich habe allerdings ein sehr schlechtes Bauchgefühl dabei wenn sich im Zuge dessen eine umstrittene Organisation profilieren möchte. Wenn man sich z.B. auch die Verfolgung von Schwulen und Lesben in Uganda ansieht und sich mit der Geschichte des Landes auseinandersetzt wird man sehr schnell merken das diese leichte Schwarz und Weiß Denke letztendlich zu kurz gefasst ist.

Abgesehen davon glaube ich mittlerweile nicht mehr das die Leute in „höheren Positionen“ überhaupt einen Einfluss haben.

semi am 08.03.2012 um 11:38 Uhr

Es ist tatsächlich wichtig, das Thema (weiter) publik zu machen, doch hat Philipp recht, dass das in dieser Form einfach nicht vertretbar ist.
Logisch, die visuell ansprechenden HD-Vimeovideo-und-HMTL5-Bildchenwebsites wären ein toller Weg, um das Problem auf interessante Weise an Freunde und Verwandte zu linken.

Aber auf den Punkt gebracht, profitiert diese Organisation, bzw. diese drei Jungs mit den schweren Waffen, gewaltig von ihrem Pseudoaltruismus. Und das ist vielleicht noch vertretbar, wenn jemand Werbung für notleidende Katzenbabies macht.
Aber Geld daraus zu schlagen, gegen einen Typen zu hetzen, der Geld daraus schlägt, Kinder auf abscheulichste Weise auszubeuten? Bin ich der einzige, der es falsch findet, 90.000 Dollar im Jahr mit dem indirekten Missbrauch von Kindersoldaten und Zwangsprostituierten zu verbringen?
Das ist weit mehr pervers, als es nützlich ist.

PFox am 08.03.2012 um 12:32 Uhr

Erstens gerade die Menschen die dieses Video einfach so liken haben sich noch nie die Gedanken gemacht,
dass die Menschen die was an der Situation ändern können diese auch herbei geschaffen haben.
Es ist die Gleichgültigkeit der Menschen die mich wirklich traurig macht.
Lybien, Syrien, Iran, Irak, Afrgahnistan, Russland, China und Venezuela … sobald ein Land nicht nach deren Nase tanzt wird es mit allen Mitteln destabilisiert und das schlimmste ist, dass diese meinungslosen Menschen direkt zustimmen, den der TV und die Zeitung bestätigen das aber noch nie hat einer sich gewundert wieso ausgerechnet die ARD / ZDF Identische Aufnahmen genutzt hat um uns ein Aufstand in Lybien oder Syrien vorzugaukeln.

Ich weiß bei einigen stoße ich mal wieder auf taube Ohren aber es ist mir egal ich habe ein Herz für jeden vernünftigen Menschen Nation, Religion ist mir völlig egal.

Vorstadtprinzessin am 08.03.2012 um 12:51 Uhr

Okay auch ich hab mich jetzt mal ein wenig schlau gemacht. Ich wußte vorher nichts über diese Problematik und war echt erschüttert. Durch dieses Video und durch das sharen dieses Videos bin ich erst auf die L.R.A. und Joseph Kony aufmerksam geworden. Einen Teil dazu hat nunmal Invisible Children beigetragen, da sie nunmal dieses Video veröffentlicht haben. Nachdem ich dann gelesen habe das ca. 30 Prozent der Spenden nur in das Projekt gesteckt werden, war ich wiederum sehr enttäuscht und empfinde es für wichtig das die Gelder zum größten Teil für die eigentliche Art von Verwendung gedacht sind und nicht für Reisekosten, Ausgaben für Videos und Mitarbeiter genutzt werden.

Dennoch darf man nicht direkt alles schlecht reden! Das Video hat mich nunmal darauf aufmerksam gemacht und wenn man sich dann danach informiert wie man helfen kann, dann wird man für sich auch feststellen das eine Spende direkt an Invisible Children fraglich ist. Dennoch kann jeder für sich entscheiden – unterstütze ich das Projekt mit Invisible Children oder ohne!

Google hilft einem auch ganz einfach dabei, sich über das Thema und vor allem über IC zu informieren. Man sollte nicht immer alles schlecht reden! Denn wer etwas unterstützen will, der informiert sich und wird schnell feststellen das IC nicht unbedingt die beste Anlaufstelle für Spenden ist aber der Grund war, warum viele (sowie ich) überhaupt darauf aufmerksam geworden sind!

Flo am 08.03.2012 um 13:11 Uhr

@Philipp: Der Satz war eher so gemeint, dass ich keine Lust darauf habe unter jedem dieser Videobeiträge einen vorwurfsvollen Besserwisserkommentar zu finden. Ich finde es gut und wichtig, dass die Leute darauf aufmerksam gemacht werden, dass diese Organisation nicht soooo cool ist wie sie sich selbst darstellen, aber das kann man auch neutral machen und muss deshalb nicht die Verbreitung des Videos verteufeln. Wie die Vorstadtprinzessin schon gesagt hat, gibt es mit Sicherheit viele Leute (und ich gehöre auch dazu), die durch dieses Video erst auf die Problematik aufmerksam geworden sind. Wenn man denen jetzt noch sagt: „Hey, die Organisation ist aber scheisse und schau mal hier, hier und dort, da gibt es bessere Unterstützermöglichkeiten“, dann finde ich das ja völlig okay und auch notwendig.

Das du der Meinung bist, dass Leute in „höheren Positionen“ keinen Einfluss haben ist auch völlig okay und die Meinung sollst du auch haben. Ich allerdings glaube schon, dass man über solche Wege was erreichen kann. Versteh mich nicht falsch, ich verstehe deine Position und denke auch, dass man der „Invisible Children“ jetzt nicht unbedingt die Kohle in den Rachen werfen sollte, wenn sich aber einer nicht genug informiert und denen dennoch Geld zuschießt, sind 30% die wirklich ankommen zumindest mehr als wenn die Leute gar nichts dafür tun und 0% ankommen. Ich habe denen auch kein Geld gespendet und suche gerade nach „besseren“ Wegen, aber man darf nicht davon ausgehen, dass sich alle Leute die das Video sharen jetzt anfangen zu recherchieren.

@jumanji: Guter Artikel im großen und ganzen.

@Vorstadtprinzessin: Merci … unterschreib ich so.

Per am 08.03.2012 um 16:55 Uhr

Das Video ist, für meinen Geschmack, nicht wirklich an objektiver Berichterstattung -gemessen an deutschem Standard- interessiert. Die Selbstdarstellung der beiden Regisseure ist dabei noch das harmloseste. Das ist „Band-Aid“ ohne Musik. Jeder, der sich ein bisschen über das Weltgeschehen informiert, könnte über die LRA schon gestolpert sein. Im Weltspiegel gibt es immer mal wieder den ein oder anderen Beitrag, der weniger propagandistisch angelegt ist als KONY.

Darum ist es eher die sehr amerikanische Art der „Berichterstattung“, die hier verstört. Auf die Sache aufmerksam machen ist generell gut, nur das wie ist in diesem Fall fragwürdig. Und die sehr kurzgedachte Meinung von Christoph als „Argument“ zu bezeichnen, halte ich gerade bei diesem Video für abenteuerlich. Aber solche Äußerungen sind durch die 140-Zeichen-Beschränkung wohl unumgänglich.Gerade durch den Meinungsaustausch kann doch überhaupt eine Debatte angestoßen werden.

Per am 08.03.2012 um 16:57 Uhr

Sorry, du hast das gar nicht als Argument bezeichnet.

Tim am 08.03.2012 um 18:38 Uhr

Moderne Art der Aufklärung!
Es reicht schon, dass Millionen Menschen überhaupt darauf aufmerksam gemacht werden, was es für konkrete Missstände auf der Welt gibt.
Amerikanische Propaganda hin oder her, jeder sollte genug Verstand besitzen diese Initiative zu reflektieren, genau wie jede andere tägliche Meldung aus diversen Medien auch.

Alex am 08.03.2012 um 20:12 Uhr

Naja, wenn man das Video postet muss man immer mit Kommentaren rechnen, die das Ganze auch kritisch beleuchten – dazu sind soziale Netzwerke nunmal da. Die Kommentarfunktion bei facebook ausstellen geht nun mal nicht.
Viele User posten das Video halt auch, ohne sich selbst ein genaueres Bild vom Thema und der Organisation gemacht zu haben, sondern nur aus den Emotionen heraus, die dieses Video zweifelsohne hervorruft. Ein solches Vorgehen ist allerdings nicht rational, weshalb es auch gerne als Zielscheibe für Kritik genutzt werden kann und soll – ein offender Dialog zu dem Thema hilft vermutlich mehr, als das Kaufen von den beworbenen Action-Kits.

Flo am 08.03.2012 um 21:36 Uhr

Ich hab ja auch nie behauptet, dass die Kritik bzw. die Diskussionen darum nicht gut wären. Mir gings nur darum, dass viele Leute pauschal alles verteufeln und am Ende aber trotzdem keine Alternative bieten oder selbst anderweitig handeln.

MC Winkel am 09.03.2012 um 00:24 Uhr

Welcome to germany!

Jako am 09.03.2012 um 19:36 Uhr

Die Taz hat einen ganz guten Bericht über Kony 2012 geschrieben. Sie schreiben recht differenziert darüber. Lesen lohnt sich auf jeden Fall.

http://taz.de/Video-der-Woche/!89319/

Rene am 09.03.2012 um 23:55 Uhr

ein wenig schmunzeln muss man ja schon wenn man die ganze diskussion und berichterstattung überall ein wenig verfolgt, denn eine bessere werbung können sich die jungs von IC ja gar nicht vorstellen. der name ist überall im netz und jeder spricht überall darüber…auch negative kritiken sind werbung. einer der einfachsten dinge im bereich marketing. auf diese schiene setzt United Colors of Benetton schon lange… :)

vor gar nicht all zu langer zeit ging es im netz um die ermordung von hunden in polen, damit die straßen „sauber“ sind wenn „die welt“ zur EM anreist. alle sind auf die barrikaden gegangen und haben irgendwelche fotos von toten hunden verbreitet, nachdem sie noch kurz vorher bei Aldi gemischtes hack für 2,99€ gekauft und den überzüchtetn vierbeiner zuhause mit Ja-Dosenfutter versorgt haben…hat das irgendwer mal so richtig hinterfragt?? ist da jemand hin gegangen und hat zu den leuten hier bei uns gesagt, hör mal zu, stell doch mal lieber selber in frage ob du zuhause die tierrechte nach einer gewissen Ethik einhälst…??

ich stelle mir da immer die frage: wo fängt PC (Political Correctnes) an und wo hört sie auf?? wenn ich das hier alles so lese, haben sich schon min. 10 leute mit dem thema intensiver beschäftigt und sind nun ein stückchen schlauer. ist das nichts wert? brauchen wir vll nicht sogar genau eine solche fragwürdige berichtserstattung um überhaupt noch aufmerksam zu werden?? wo wir doch tag täglich mit schreckensmeldungen bombadiert und ängsten konfrontiert werden?? um noch einen schritt weiter zu gehen: gibt es überhaupt noch neutrale und seriöse berichterstattung?? wir sind alle bis auf die knochen emotionalisiert.

ich komme aus dem theaterbereich und wenn man da in stücken themen Tafel e.V. oder die nazivergangenheit der eigenen großeltern behandelt, freut man sich wenn man am ende bei 200 leuten, auch nur einen zum nachdenken gebracht hat!! wenn man sowas erreicht, hat man was gewonnen!!

achso, wer von euch hat ein I-Phone?? war da nicht auch was mit menschenrechten oder so?? ach nee stimmt, das war bei Ikea und H&M… ;)

Eve am 12.07.2013 um 13:36 Uhr

Ich finde es zwar richtig, dass solche Videos im Netz verbreitet und so viele Menschen erreicht werden. Allerdings ist das Video mit Vorsicht zu geniessen. Wie wir in der Schule diskutiert haben, wurde das Video vor längerer Zeit gemacht, die Informationen sind also nicht mehr zwingend aktuell. Auch wird recht stark ans Psychische appelliert, was ich zwar nicht für eine schlechte Methode, um Menschen zu erreichen, aber trotzdem ein wenig unprofessionell halte. Auf diese Art geht etwas Glaubwürdigkeit verloren. Auch ist der „Hauptdarsteller“, der Junge, inzwischen erwachsen, wird aber nicht mehr nach seiner Meinung gefragt, was mir auch zu denken gibt. Ich finde es wichtig, dass es solche Videos gibt, kann aber ein gewisses Misstrauen nicht ausschalten. Es ist wichtig, zu wissen, was auf der Welt geschieht, aber man sollte sich auch immer fragen, wie vertrauenswürdig die Quelle wirklich ist.

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