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We Like That auf dem Sónar Festival 2011

von Messel am 22.06.2011   |   Musik & Film

Während der Alex und Flo ja bekanntlich auf dem Hurricane Festival weilten, habe ich mir unterdessen eine Woche Barcelona inklusive dem Sónar gegönnt.

Nachdem ich am Montag zusammen mit meiner Reisebegleitung dem Stefan gut in der katalanischen Metropole gelandet war, hieß es erstmal einchecken in unserem schön zentral an der Uni gelegenen Hostel/Apartement um dann noch etwas die milden Abendtemperaturen am Strand zu genießen.

2004, nach dem Zivildienst und verplanter Rumjobberei habe ich für ein halbes Jahr in Barcelona gelebt und es seitdem nicht mehr auf die Reihe gebracht dorthin zu reisen. Deshalb war es irgendwie schon ein besonderer Trip für mich.

Die ersten Tage standen ganz im Zeichen von Touri-Programm und abhängen in der Sonne. Ich musste zum gefühlt hundertsten mal ins Camp Nou und mir das Barca Museum anschauen – schade dass die Saison schon vorbei war – ich hätte gern mal wieder ein Spiel dort gesehen.

Da wir Bayern in der Ebene sehr lauffaul sind, haben wir uns noch im Sightseeing Bus durch die Stadt kutschieren lassen. Natürlich fingen wir uns gleich mal einen ordentlichen Brandy ein wie es sich für nicht sonnenerprobte Weißbrote gehört. Weißbrot wurde selbstverständlich auch verzehrt, hauptsächlich in Form von Bocadillos mit Chorizo – Yam Yam!

Am Donnerstag ging es dann los mit dem Sónar. Das Festival ist aufgeteilt in das Sónar by Day welches rund um das MACBA-Gelände stattfindet, und das in den riesigen Hallen des Messegeländes stattfindende Sónar by Night. Die Tag-Variante kommt eher relaxed daher, man kann entweder in der Sonne sitzend den DJs lauschen, oder sich auf den diversen Bühnen die unterschiedlichsten Perfomances reinziehen.

Wir wollten den ersten Tag eigentlich sehr entspannt angehen lassen aber nach einer Odysee durch diverse Ticket-Offices und Bankschalter, nur um an unsere Eintrittskarten zu kommen, mussten wir erstmal feststellen, dass wir absolut professionell vergessen hatten die Kamera-Akkus aufzuladen. Deshalb zurück auf unser Zimmer, Akkus aufladen und noch ein kurzes Nickerchen einlegen. Danach ging es zurück aufs Festival Gelände.

Los ging’s mit Little Dragon aus Schweden, die mich live nicht so überzeugen konnten wie auf Scheibe, aber als Einsteig war der Auftritt schon okay. Danach ging es weiter mit dem Brandt-Brauer-Frick Ensemble. Musikalisch absolut super, nur war der SónarDome als Location eher unglücklich gewählt.

Entweder war der Sound-Mischer schon etwas von den überall aus dem Publikum aufsteigenden Dope-Schwaden benebelt, oder er hat es einfach nicht auf die Reihe gebracht die  zehn Musiker und ihre aufwendige Instrumentierung (u.a. Live Drums, Klavier, Tuba, Posaune, Geige, Cello, Percussion, Synthie, Harfe, …) in den Griff zu kriegen. Ein kleiner Wehrmutstropfen, aber schön war’s trotzdem.

Das Ninja-Tune Showcase mussten wir leider sausen lassen, da wir Tickets für das offizielle Sónar Eröffnungskonzert am Abend im l’Auditori besaßen. Urprünglich sollte ja „Minimal-Pionier“ Steve Reich anwesend sein, wegen dem ich mir auch die Karten (zusätzlich zu den eigentlichen Festival-Tickets) gekauft hatte, dieser musste dann leider aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen. Das Konzert mit dem Ensemble BCN216 und den Synergy Vocals fand aber trotzdem wie geplant statt.

Aufgeführt wurden die Stücke „Sextet“ und “Music for 18 musicians“ und ich war begeistert. Totale Reduktion, dauernd irgendwelche Verschiebungen in den Patterns der verschiedenen Instrumente (soweit ich alles noch zusammen bringe waren es 4 Klaviere, 5 Vibraphone, Percussion, Synthie, Bassklarinetten, Cello, Geige und Vocals), alles unglaublich stimmig, hervorragende Musiker und ein sehr gut klingender Saal. Was will man mehr. Ein gelungener Abschluss des ersten Tages.

Der Freitag startete am Nachmittag mit der US-Hip Hop Combo Atmosphere. Zwar geht mir mittlerweile dieses „jetzt alle die Hände in die Luft“ Ding (und das bei jedem Song) dezent auf den S***k, aber der Gig war schon ganz okay. Weiter ging es mit Discodeine, Hauschka und Ghostpoet. Letzterer war super aufgelegt und legte einen sehens- und hörenswerten Auftritt hin.

Nach einer kurzen Essenspause ging es mit den Öffentlichen zum Sonar by Night. Dieses lässt sich mit einem Wort beschreiben: Gigantisch! Alles daran ist gigantisch. Eine gigantisch große Location, gigantisch hohe Preise, gigantisch penible Ordner, gigantisch laut und der gigantische „Es gibt keinen Kaffee-Stand und keine Kippen zu kaufen“ Mega-Fail.

Ich hab mir dann irgendwann Red-Bull gekauft und meine letzten Tabak Brösel aufgeraucht. Es ging also gerade noch so gut. Aber genug gejammert, nun zum musikalischen:

The Human League haben alles richtig gemacht. In den 80ies die dicken Hits rausgehauen, dann in Würde gealtert und jetzt füllen sie mit ihrem neuem Album und den großen Festival-Slots ihr wahrscheinlich nicht allzu dünnes Bankkonto noch einmal etwas auf. Chapeau und meine ehrliche Hochachtung. Ich würde es genauso machen. Nach 30 Minuten Human League im „Sonar Club“ sind wir rüber zur nur unwesentlich kleineren „Sonar Pub“ Bühne. Also wenn das Club und Pub waren, wie sieht für die Sonar Macher dann das Verhältnis von Arena und Stadion aus? Wurscht.

Trentemøller stand an und ich verliere dazu nur einen Satz. 99 von 100 möglichen Punkten. Der Punktabzug resultiert aus der Tatsache, dass wir unsere Kamera nicht mit rein nehmen durften und ich mir den Gig jetzt auf einem I-Phone Video reinziehen muss. Obwohl Trentemøller dafür eigentlich gar nichts kann…egal. Es war großartig.

Danach passierte nicht mehr viel – Dizzie Rascals’ DJ war gut drauf, er fiel total dicht mit samt Equipment von seinem Podest. Dizzie war auch gut drauf, der Gig war auf jeden Fall sehr unterhaltsam. Aphex Twin ist Aphex Twin. Mehr braucht man dazu glaube ich nicht zu sagen. Er spielt meiner Meinung nach zwar immer zu spät, aber man darf Gott auch nicht vorwerfen er spiele zu spät. Die Antwoord haben wir uns aus Interesse mal angeschaut und anscheinend verstehe ich da etwas nicht. Falls mir jemand erklären kann was an denen so gut sein soll, gebt mir bitte Bescheid.

Abschließend legten Boys Noize und DJ Edjotronic noch sehr solide DJ-Sets hin, wir konnten also noch eine runde Dancen. Danach legten wir uns dann um 8 Uhr morgens auch sehr solide ins Bett.

Samstag war erst einmal auspennen angesagt, glücklicherweise konnten wir in unserer Herberge um 17 Uhr noch frühstücken. Wir waren übrigens die ersten, alle anderen Gedecke waren noch unbenutzt. He He.Danach ging es kurz auf’s Sonar by Day. Apparat konnten wir nicht anschauen, da die Halle so überfüllt war und wir nicht mehr reinkamen. Actress war dann noch ein versöhnlicher und bassiger Abschluss und wir machten uns wieder auf den Weg zum Messegelände.

Erster Act war Chris Cunningham. Seine Video-Show ähnelte der auf dem Melt! letztes Jahr, war aber immer noch absolut impressive. Sozusagen ein Visual-Triptychon in ohrenbetäubender Lautstärke.

Janelle Monáe wartete mit einer dicken Big-Band auf, die ein unglaubliches Ramba-Zamba auf der Bühne veranstaltete. Schön anzuschauen, aber auch etwas too much. Underworld hingegen hatte statt einer riesen Band ein riesen Mischpult auf der Bühne und zerlegte die Halle mit ihren hymnischen Tracks. Hört sich blöd an, war aber so. „Born Slippy“ war natürlich der letzte Song und ließ ein durchgeravtes Publikum zurück. Wir sind dann erstmal total verschwitzt zum „Sonar Car“, eine aus einem Autoscooter und einer jahrmarkt-ähnlichen Konstruktion bestehende Bühne, wo wir zum runterkommen etwas unsere Beine ausschüttelten.

Das Paul Kalkbrenner auch außerhalb Deutschlands superstar ähnlichen Status genießt, wurde uns dann klar als sich kurz vor seinem „Konzert“ alle Leute hin zur Bühne hin drängten. Ich habe da anscheinend wieder was nicht verstanden – Ich fand’s langweilig bis uninspiriert, aber das ist auch nur meine bescheidene Meinung. Aber hey, um ehrlich zu sein war’s totaler Schrott.

Nach dem Kalkbrennerschen-Arrangement-Gewitter war bei uns etwas die Luft raus und wir sind dann auch irgendwann von dannen gezogen. Das Bier und die langen Tage zuvor zollten so langsam ihren Tribut.

Bis auf die Tatsache, dass ich unerwarteter Weise noch arbeiten musste (da fährt man einmal eine Woche weg und schon bricht für den zu Hause arbeitenden Kollegen die Hölle herein) war unser letzter Tag noch einmal sehr mit Schlafen bzw. Faulenzen ausgefüllt. Zum Glück (bzw. Pech) hatten wir unsere Laptops dabei und konnten noch dezent im Hotelzimmer musizieren bzw. andere Arbeiten erledigen.

Alles in Allem war es eine schöne Woche. Ein super Festival, wenngleich auch etwas teuer und mir eine Nummer zu groß (vor allem am Abend), mit wunderbaren Konzerten. Ich hoffe ich habe in nächster Zeit mal wieder die Möglichkeit diese großartige Stadt zu besuchen. I like that city.

Ach ja, ich versuche diese Woche im Rahmen der offiziellen „We Like That-Festival-Berichterstattung“ auch noch ein kleines Video raus zu hauen – mal schauen wie weit ich komme. Danke für Eure Aufmerksamkeit.

3 Kommentare

zac am 22.06.2011 um 14:15 Uhr

atmosphere ist grossartig!!!

maddin am 22.06.2011 um 14:42 Uhr

Danke für den Kalkbrenner Absatz…tut wirklich gut mal nen Artikel zu lesen, indem er nicht bis ins unermessliiche gehyped wird…kann ich nämlich net verstehen wieso eig….

Ansonsten waren da wirklich ein paar Schätze dabei muss ich sagen. Bin bisschen neidisch ;)

messel am 22.06.2011 um 19:24 Uhr

@maddin: bitte. ;-) ich check’s beim kalke echt auch nicht…na ja, gut das auch mal jemand dasselbe denkt.

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