Twitter Facebook

El Bocho Interview

von Flo am 27.05.2009   |   Kunst & Design, Sonstiges

elbochointi

Vielleicht könnt ihr euch noch daran erinnern, als ich in diesem Post dazu aufgerufen hatte, Fragen an El Bocho in den Kommentaren zu hinterlassen. Leider kam da ja nicht arg viel bei rum, aber trotzdem schonmal Danke allen, die doch was dazu beigetragen haben (die E-Mail um eure Adressen zu bekommen kommt noch ;) … Naja, aufjedenfall liegt das Interview schon seit längerem hier auf dem Rechner rum. Eigentlich wollte ich das Interview relativ zeitgleich mit dem Erscheinen des Fanzines hier rauf stellen, da sich das aber Aufgrund mangelnder Knete für den Toner noch ein wenig rauszögern wird, gibt es das Interview schon jetzt hier.

1. Erstmal Danke dass du dir Zeit nimmst die Fragen zu beantworten. Vielleicht könntest du zu Beginn selbst kurz etwas zur Person „El Bocho“ erzählen. Wann und wie bist du denn das erste mal auf Graffiti, Streetart, … aufmerksam geworden??

Oje … das ist lange her. Ich war wohl gerade in der Grundschule, als ich das erste mal über „Pochoirs“ (anm. französisch für Schablone) in Frankfurt am Main stolperte. Ein Tiger … noch völlig Oldschool, schwer zu erkennen, aber schon faszinierend. Namen standen damals nicht dabei. Einige der Arbeiten gibt es aber heute noch. Ich verstand noch nicht warum man so was macht aber irgendwie war es eine Bereicherung. Das erste Graffiti, was mich ansprach war ein Indianerkopf von dem Frankfurter „Bomber“. Das wollte ich dann auch machen.Beim Graffiti blieb ich aber nur ein paar Jahre … irgendwie war das alles schon zu ausgefeilt und vollständig. Mit dem normalen Sprühen kamen dann auch parallel die ersten Schablonen. Das war so 1997.

2. Eines deiner bekanntesten und dauerhaftesten Projekte ist mit Sicherheit der „Little Lucy“ Charakter. Wie kam dir die Idee die hinter dem ganzen steht und was denkst du woran es liegt, dass dieser doch sehr viel „Medienpräsenz“ bzw. „Aufmerksamkeit“ genießt??

Also das ganze war eine durchdachte Sache. Ich brauchte etwas, was man langfristig erweitern kann, was ohne Worte funktioniert, aber auch mit kleinen Typografieveränderungen einen neuen Sinn ergibt. Eine Art Maskottchen für „El Bocho“ etwas gemeines-süßes. Naja, so kam die Idee. Nach einigen Skizzen war sie dann geboren. Inspiriert mit Sicherheit durch „Lucy den Straßenschreck“. Diese tschechische Serie aus den 70ern. Ich glaube die Leute lieben einfach Geschichten die auf der Strasse fortgeführt werden. Einzelne Plakate sind okay, aber eine Story die es immer wieder zu entdecken gilt lieben die Leute. Leider gibt es nur ganz wenige dieser Stories im öffentlichen Raum.

3. Man sieht extrem häufig neue Arbeiten von dir. Wie schaffst du das, so extrem oft unterwegs zu sein oder auch Stuff zu produzieren??

Naja…ich lebe das Ding den ganzen Tag, habe eine 70 – 80 Stunden Woche und produziere nach meinem normalen Job Nachts halt Plakate und Leinwände. Entweder man macht das richtig und durchdacht oder gar nicht. Nur mal so paar Plakate zu kleben weils gerade in ist, ist einfach nicht mein Ding. Die Ideen die ich habe brauchen langfristig ihren Raum und dieser muss hart geschaffen
und erobert werden. Das schwierigste ist die Motivation mit dem ganzen Kram raus zu gehen und sich die Nächte um die Ohren zu schlagen. Dafür hab ich aber ein paar Verbündete die mich ständig fordern. Ohne die wärs einfach nicht drin.

4. Vor kurzem hat in Berlin der „Klebeland“ Laden eröffnet. Zusammen mit „Stroke“ hast du ein Tape-Artwork geklebt. Kunst aus Klebeband ist ja doch eine Form die (im Gegensatz zu Schablonen, Kleistern, …) in Deutschland noch nicht so weit verbreitet ist bzw. fabriziert wird. War es für dich das erste mal, mit Klebeband zu arbeiten oder hattest du dich vorher schon mit der Technik beschäftigt?

Das war tatsächlich das erste Mal und mittlerweile bin ich total von dem Material begeistert. Man muss sich auf das Wesentliche beschränken. Die Form und die Farben sind nicht so beliebig zu erstellen wie mit dem Pinsel. Das ist der größte Unterschied. Ich werde in den nächsten Wochen das größte Tapeartbild der Welt in Berlin kleben, unterstützt von meinem Partner „Klebeland“, das wird sicher ne Welle auslösen. Das Material wird sich sicher in vielen kreativen Branchen in Zukunft finden, davon bin ich überzeugt.

5. Ich komme hier aus einem kleinen Ort in Bayern, da ist die Kunst im öffentlichen Raum noch lange nicht so angekommen wie es in den Großstädten Deutschlands der Fall ist. Die Meinungen von den Leuten hier gehen zwar auch auseinander wie sie es wahrscheinlich überall tun, der Großteil aber reagiert skeptisch, verständnislos oder ist dem ganzen sehr abgeneigt. Wie empfindest du das in Berlin? Ist der Großteil der Bevölkerung (mal abgesehen von Leuten die sich eh schon damit beschäftigen) eher angetan von neuem Wandschmuck oder lehnen sie das eher ab?

Also man muss ganz klar differenzieren zwischen Graffiti und Streetart. Graffiti verstehen die Menschen nicht, sie können diese Buchstaben einfach nicht lesen und haben somit eine natürliche Abwehrhaltung vor dem Unbekannten. Bei Streetart sieht das anders aus. Die Kommunikation zwischen Bild und Betrachter ist hier immer gewollt.Die Menschen sehen eine Figur oder ein Symbol was ihnen verständliche Informationen gibt … das ist für die meisten erfrischend und verarbeitungswürdig.

6. Hattest du denn schon öfter Ärger mit der Staatsgewalt oder bist du bisher immer glimpflich davon gekommen?

Ich weiß wie man mit dem ganzen umgeht und hatte bisher nie Stress. Wenn man der Polizei vermitteln kann, dass man keine Flugzeuge in die Luft sprengen möchte und auch den Staat nicht angreifen will ist denen der ganze Papierkram einfach zu viel.

7. Ich bin sehr viel im Internet unterwegs und bin interessiert an neuen Arbeiten und neuen Künstlern. Andere Leute wissen vielleicht nicht so wirklich wo sie ansetzen sollen, falls sie interessiert an urbaner Kunst und deren Schöpfern sind. Gibt es irgendwelche Künstler, Maler, etc. deren Arbeiten du sehr zu schätzen weißt und die auch dir immer mal wieder als Inspirationsquelle dienen??

Inspiration hole ich mir nicht aus der Szene … das würde nur Probleme geben. Ich habe den Kopf voller Eindrücke und Ideen, und täglich kommen durch die Informationsflut neue hinzu.Das reicht für eine lange Zeit. Künstler die ich schätze gibt es natürlich. „Alias“ aus Berlin, weil kaum einer so professionell unterwegs ist wie er. Wenn ich schon keine Lust mehr habe klebt der noch 50 weitere Plakate. Auch „Keule“ von der SAM Crew aus Berlin ist gut unterwegs. Jedes Plakat ist handgemalt und erzählt eine Geschichte über einen langen Zeitraum, ganz wie bei mir. Ich sehe mir die Sachen gerne an und ein lustiger Kollege ist er sowieso.

8. Danke fürs beantworten der Fragen. Der Schluss gehört natürlich dir. Lass raus was noch gesagt werden muss.

Da gibt es noch ne Menge die raus muss … bin aber gleich zum Kleben verabredet … wohl etwas mehr das nächste mal ;) Besten Dank für das Interview und Grüße in den Süden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.