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FANZINE IS RAUS!

von Flo am 21.02.2008   |   Musik & Film, Sonstiges

Fanzine is raus!

… jawohl! Das is die tolle Nachricht auf die ihr so lange gewartet habt. Das is die tolle Nachricht zu der dieser Countdown da rechts runtergezählt hat. Und jetzt isses soweit. Wer nich gestern schon eins im Hirschen bekommen hat der soll einfach ne E-mail schreiben wenn er eins haben will. Um die Leser hier nich ganz leer dastehen zu lassen gibts nen kleinen Vorgeschmack. Das Streetart-Interview.

Durch Zufall bin ich im Internet auf eine Streetartreportage gestossen, war sehr angetan von dieser und sah das es sich um eine Studienarbeit von 2 Studenten der FH Ansbach handelte. Ich war ziemlich interessiert mehr über das ganze Projekt zu erfahren, und nahm kurzerhand E-Mail Kontakt mit den 2 Machern (Stefan + Carsten) und der im Film interviewten Katrin auf.

Ihr findet die Videos bei youtube unter folgenden Adressen:

Teil 1: youtube.com/watch?v=WCoPCHGnLVc
Teil 2: youtube.com/watch?v=yRyAVDiyQ3E
Teil 3: youtube.com/watch?v=rqJb6cBRhHs

Streetart1. Wie kams das ihr euch das Thema “Streetart” für eure Studienarbeit ausgesucht habt?

Stefan: 1999/2000 ist mir streetart zum ersten mal aufgefallen. Ich hab damals in rotterdam gewohnt. da waren plötzlich überall in der stadt ufos mit mickey maus ohren und astronauten geklebt. ziemlich
schnell sind auch andere da mit eingestiegen. schon damals hab’ ich drüber nachgedacht über dieses phänomen eine geschichte zu machen, aber als ich nach deutschland zurückgekommen bin ist das dann im sand verlaufen. als die studienarbeit anstand und carsten mit dem vorschlag streetart kam, war klar, dass das unser thema wird.

Carsten: eine freundin wohnt in berlin und hat kontakt zu gould. Sie bot uns an, ihn zu fragen, ob er für ein interview zur verfügung stehen würde. da wir beide das thema spannend fanden haben wir uns dafür entschieden. im moment hab ich ehrlich gesagt auch nicht mehr die alternativen zu streetart auf dem schirm.

Katrin: Ich habe mich im Rahmen meines Studiums auf Stadtethnologie und Stadtsoziologie spezialisiert. Als es dann darum ging ein Thema für meine Magisterarbeit zu finden, habe ich lange überlegt, in welche Richtung ich eigentlich weiter machen will und welche Themen mich längerfristig interessieren. Mir war klar es soll irgendwie Anknüpfungspunkte an die Subkulturforschung und an die Visuelle Anthropologie haben, denn das sind neben den Stadtthemen die zwei anderen Gebiete für die ich mich interessiere. Im gleichen Zeitraum – das war so im Herbst 2003 – fand in Berlin die erste Backjumps Ausstellung statt. Die Backjumps war ursprünglich ein Magazin für Graffiti und Street Art. Adrian Nabi, der Herausgeber, hatte dann die Idee anstatt ein weiteres Magazin heraus zu bringen, doch mal eine Ausstellung zu machen. In den sechs Wochen als dann die Ausstellung statt fand, war in Berlin ziemlich viel los. Es kamen viele Writer und Street Artists aus anderen Städten und haben hier ihre Kunst hinter lassen und auch viele Berliner sind extrem aktiv gewesen in dieser Zeit. Vor allen Dingen in Friedrichshain, wo ich wohne, gab es unglaublich viel Street Art in den Straßen zu sehen. Ich habe das ein paar Wochen beobachtet, hab mir die Ausstellung angeguckt, in den Straßen fotografiert bis dann eines Tages bei mir der Geistesblitz einschlug: „Mensch, das isses doch!“ Ich habe dann die Idee einem Freund erzählt, der dann plötzlich meinte, sein Freund wiederum wäre Street Artist und ziemlich aktiv. So habe ich dann nach und nach Leute aus der Berliner Street Art-Szene kennen gelernt, sie beim Kleben begleitet, in ihren Werkstätten und Galerien besucht, sie interviewt und so weiter…

2. In euerem Film sind ja ein paar Ausschnitte zu sehen, bei denen ihr irgendwelche Passanten zum Thema “Streetart” befragt. Was kamen denn da, außer den im Film gezeigten Antworten noch so rüber?

Carsten: da wir die “umfrage” in nürnberg gemacht haben, kam da nicht so viel rum. die franken an sich sind ja für ihre maulfaulheit bekannt, so war die hauptaussage: “nein” oder “hab keine zeit”. Der platz an dem streetart hier in nürnberg klebt und verklebt wird ist auch eher klein im gegensatz zu berlin. obwohl die szene der streetartists in nürnberg wächst. das ist jetzt eher so als ein “gefühltes wachsen” anzusehen, als das ich das ganze mit zahlen belegen könnte.

Stefan: eine passantin hat uns zunächst ein ganz normales interview gegeben und uns dann mit der polizei gedroht, falls wir das video-material nicht sofort wieder löschen. am ende hat sie sich dann unsere personalien geben lassen und uns mit rechtlichen schritten gedroht, falls das material mit ihr irgendwo auftaucht.

3. Katrin, du erzählst zwar im Film schon kurz wie du in die ganze “Szene” reingerutscht bist, aber vielleicht könntest du nochmal kurz schildern, wies dazu kam und wie du dann letztendlich aktiver teil dieser “Sache” wurdest. Was macht man als Ethnologin?

Katrin: Ja, wie gesagt, reingerutscht in die Szene bin ich über den Street Artist BILD. (BILD arbeitet allerdings seit ca. zwei Jahren nicht mehr unter diesem Pseudonym. Damals aber nannte er sich eben noch so.) Mein Freund Christian ist mit ihm befreundet und hat mich BILD damals im Herbst 2003 vorgestellt. Wir mochten uns auch sofort und er hat mich dann im Oktober und November 2003 ein paar Mal nachts zum Posterkleben mitgenommen. Mit der Zeit sind wir dann Freunde geworden. Ãœber BILD habe ich dann auch andere Berliner Street Artists kennen gelernt, z.B. die Leute vom Wall Street Journal. Das war dann so im Frühling 2004. (Meine Einstiegsphase hat recht lange gedauert, da ich noch ein paar andere Sachen für die Uni fertig machen musste.) Mit BILD hatte ich ja schon im Winter Kontakt und mit Adrian Nabi habe ich auch im Winter 2003/2004 schon ein Interview geführt, aber meine eigentliche Forschungsphase fand erst von Mai 2004 bis September 2004 statt. Die Leute vom Wall Street Journal (WSJ) – das ist ein Fanzine, was als Wandzeitung geklebt wird – waren dann neben BILD meine wichtigsten Kontaktpersonen. Bei ihnen lief sozusagen alles zusammen. Ãœber die Wandzeitung, die legal am Club Lovelite in Friedrichshain geklebt wurde und illegal einfach so im Stadtraum, haben sich sehr viele Leute in Berlin vernetzt. Das WSJ wurde im Laufe des Jahres 2004 ca. alle 6-8 Wochen erneuert. Zu diesen Aktionen wurden per Mundpropaganda oder Plakatankündigung die Leute aufgefordert ihre Arbeiten mitzubringen und neben die Wandzeitung zu kleben. Die eigentliche Wandzeitung bestand jeweils aus einem Interview mit einem (oder mehreren) Berliner Street Artists und seinen/ihren Arbeiten. Und wie gesagt, alle anderen konnten und sollten ihre Arbeiten wie bei einer Collage dazu und daneben kleben. Das haben dann auch viele gemacht und so waren die WSJ-Klebe-Aktionen immer so was wie eine kleine Party oder ein Street Art-Kaffeeklatsch. Die Leute kamen zusammen, haben geklebt, sich unterhalten und anschließend gab es dann im Lovelite die WSJ-Release-Party, wo alle zusammen gefeiert haben. Naja und ich war eben auch dabei.
Allerdings habe ich den Beobachterinnen-Status nie wirklich verlassen, denn eigene Street Art habe ich nicht hergestellt. Von daher kann ich auch nicht behaupten, dass ich in der Szene aktiv geworden bin. Ich bin vielleicht so etwas wie eine Außenstehende mit Insider-Perspektive. Und das ist auch okay für mich, denn ich bin eben keine Künstlerin oder Writerin, sondern Textproduzentin.
Als Ethnologin interessieren mich vor allen Dingen Alltagspraktiken. Für die Forschung heißt das, dass ich versuche möglichst nah den Alltag der Menschen, die ich beforsche, mit zu erleben, in dem ich sie begleite – das nennt sich im Fachjargon „teilnehmende Beobachtung“. Diese Art der qualitativen Forschung beschränkt sich dann auch auf wenige „Forschungssubjekte“. Ich habe mich z.B. auf sechs Leute konzentriert (BILD, Gould, Boxi, Nomad und die WSJler). Mit denen habe ich am meisten Zeit verbracht und mehrstündige Interviews geführt. Darüber hinaus bin ich auch zu Aktionen wie eben das WSJ-Kleben und auf Vernissagen gegangen und habe dort andere Street Artists getroffen und mich einfach viel unterhalten. Meine Eindrücke von diesen Ereignissen habe ich dann in ein sogenanntes Feldtagebuch geschrieben. Für meine Auswertung hinter her habe ich dann sowohl die Interviews als auch die Feldtagebuchaufzeichnungen analysiert. Parallel dazu habe ich viel fotografiert, um einfach auf dem Laufenden zu bleiben und zu sehen, was wo von wem geklebt wird und wie sich der Stadtraum dadurch verändert.
Was mich für meine Magisterarbeit schließlich am meisten interessiert hat, war die spezifische Raumwahrnehmung der Street Artists und die symbolische Raumaneignung. Also: Mit welchem Blick laufen sie durch die Straßen? Wie sehen sie die Architektur? Welche Routinen haben sie? Gehen sie immer die gleichen Wege? Haben sie so etwas wie Street Art-Routen? In welchem Stadtviertel wohnen sie und wo kleben sie ihre Street Art? Wie finden sie die Street Art von anderen Leuten? Wissen sie schon wo sie suchen sollen oder entdecken sie die Sachen spontan? Warum kleben sie genau an diese Stelle ein Poster und warum nicht an eine andere?
In den Interviews habe ich solche oder ähnliche Fragen gestellt, aber es haben mich auch andere Thematiken interessiert, wie die Leute z.B. überhaupt auf die Idee kommen Kunst / Graffiti im öffentlichen Raum zu verbreiten, wie war ihr Werdegang, was haben sie vorher gemacht, was wollen sie mit Street Art bezwecken und so weiter. Interessant fand ich auch zu erfahren wie viel Zeit Street Art jeweils im Alltag der Leute in Anspruch nimmt. Viele sind StudentInnen und können dadurch relativ frei ihren Alltag gestalten. Trotzdem ist Street Art sehr zeitaufwendig: Man muss die Sachen vorbereiten und dann eben nachts oder tagsüber möglichst ungesehen im Stadtraum anbringen. Einige Leute verbringen fast mehr Zeit mit dem Finden von guten Stellen als mit der eigentlichen Herstellung ihrer Kunst. So etwas war mir zum Beispiel vorher gar nicht so bewusst. Wenn man einfach über das reine interviewen der Leute auch Zeit mit ihnen verbringt, bekommt man noch mal ganz andere Einblicke in ihren „Street Art-Alltag“. Das finde ich an dieser Art der Forschung sehr schön. Und was zwar nicht Ziel der Forschung, aber ein toller Nebeneffekt ist, dass ich eben dadurch auch Freundschaften mit einigen geschlossen habe.
Carsten: katrin wohnt in berlin und wurde von uns als “streetart-ethnologin” bezeichnet, weil wir keinen vernünftigeren begriff für sie parat hatten.

4. Wie ist das denn abgelaufen mit der Reportage? Wie seid ihr zu den Leuten (Katrin und Co.) gekommen und wie habt ihr das ganze dann gehandlet, mit den Aufnahmen und so? Berlin und Ansbach liegt ja doch n Stückchen auseinander. Wie knüpft man da Kontakte?

Carsten: wie gesagt, eine freundin von uns (“hallo doro, danke!”) hat den kontakt erst möglich gemacht. katrin kam zu einer ausstellung nach nürnberg, da haben wir sie dann gleich am nächsten tag interviewt. gould und nele haben wir in berlin interviewt, ich habe mir donnerstag und freitag von meinem praktikum frei genommen und dann hatten wir vier tage streetart-entdeckungsreise in berlin. ist ja nicht so schwer, in friedrichshain streetart zu entdecken. doro erklärte uns noch, wo wir z. b. die strassenzeitung finden. ich konnte den berlinausflug glücklicherweise auch noch mit einem grandiosen dirtbombs-konzert im mudd-club verbinden… jonaz haben wir auf einer graffiti-diskussion des computer-clubs 50+ angesprochen, ob er nicht lust hätte, ein interview abzugeben.

5. Ich hab erst letztens im RBB auch nen kurzen Beitrag gesehen, wo du, Katrin, auch zu Wort kommst. Wie kommen die Leute auf dich?

Katrin: In diesem Fall war es so, dass die Redakteurin Sönje Storm vom RBB eigentlich Christian Heinicke und Daniela Krause zu ihrem Buch „Street Art. Die Stadt als Spielplatz“ interviewen wollte. Das Interview konnte leider aus Termingründen nicht statt finden und dann haben Chris und Dani mich als Interviewpartnerin vorgeschlagen. Wir kannten uns schon länger vom WSJ und ich habe auch einen kleinen Beitrag für das Buch geschrieben. Ja und so kam es, dass dann plötzlich ich und nicht Chris und Dani im Fernsehen zu sehen bin. War eine komische Erfahrung für mich: Ich sollte in wenigen Minuten während mir eine riesige Kamera direkt vor der Nase klebte möglichst schlaue Sätze sagen und schon war wieder alles vorbei. Grrr…

6. Wie war die Resonanz eurer Mitstudenten und Dozenten auf die Reportage?

Carsten: gut bis sehr gut!
Stefan:1,3

7. Wie habt ihr die ganze Atmosphäre während des Drehs untereinander empfunden? Wars wirklicher Stress? Habt ihr lange daran gearbeitet?

Carsten: der wirkliche stress war der schnitt danach und geht zu sehr großen teilen auf stefans kappe. da kommt es schon mal vor, dass über nacht umgeschnitten wird… das problem am drehen (und dann natürlich auch im schnitt) war, dass wir ziemlich konzeptionslos voran gingen. das kann man, rückblickend schon so sagen. irgendwie fügte sich dann aber doch das eine in das andere (viele diskussionen) und wir hatten eine grobdramaturgie an die wir uns hielten. da wir den film eher neben unserem praktikum produzierten, war das alles natürlich schon stressig, hat aber selbstverständlich auch viel spaß gemacht…

Katrin: Für mich war es auf jeden Fall auch sehr entspannt und hat Spaß gemacht.

8. Ich wohn ja in Augsburg und da gibts mittlerweile auch nen Weblog über Streetart und Graffitie in Augsburg und Umgebung. Da wurde euer Video auch verlinkt. Wie waren denn sonst so die Meinungen zum Video. Habt ihr viele Rückmeldungen auch von außerhalb bekommen?

Stefan: auf youtube haben bisher mehr als 2000 leute den ganzen film gesehen. die resonanz ist eigentlich immer positiv. außer ein paar fernsehbeiträgen es gibt ja noch nicht so viele informative filme über streetart. seit anfang juni läuft der film außerdem auf einer graffitie-ausstellung in stuttgart. was ich bis jetzt so mitgekriegt habe gefällt er den leuten dort auch recht gut. Das beste feedback kam bis jetzt von einem komillitonen. “streetart ist mir bisher nie aufgefallen, aber nachdem ich euren film gesehen hab, entdecke ich das jetzt überall”.

9. Seid ihr selbst (die Leute hinter der Kamera) aktiv in Sachen Streetart/Graffitie?

Carsten: nein! wir konsumieren bloß und stehen auf die ästhetik!

Stefan: unsere einzige streetart-aktivität war der vorspann zum film.

Danke das ihr euch die Zeit genommen habt um mir die Fragen zu beantworten.

3 Kommentare

martin / hooting zine am 21.02.2008 um 21:36 Uhr

Hey hotzen, hab dein heftchen heute vom jako bekommen, der hat mir gestern im hirsch eins gekauft. Hat mir den (Arbeits)tag versüßt. Finds eigentlich schon gut, nur wars zu schnell aus. Mag dieses einfach mal drauf los schreiben. hat sich wiegesagt super gelesen. Hast zufällig noch die erste ausgabe rumfliegen? würd mich interessieren, könnte man ja eventl. tauschen, denn unser zine is nu auch endlich raus. Also wenn´d bock hast machste meldung, is halt ziemlich Hardcorelastig ausgefallen…

also schönes Ding gemacht und mir den Bericht über die Faschosszene im allgäu vorweggenommen. aber ich mach meinen trotzdem fertig :-)

hau rein
gruß martin

hotzen am 22.02.2008 um 09:11 Uhr

Servus Martin,
schön dasses gefällt. Dasses bisschen wenig geworden is stimmt leider. Dachte anfangs auch dasses mehr ist und erst nachm Drucken is mir aufgefallen dass die Typo auch ziemlich groß gewählt war. Aber für die nächsten Ausgaben is definitiv mehr geplant. Muss auch für mich selber erst so n bisschen die optimale rangehensweise rausfinden ;-)
Von der ersten Ausgabe hab ich soweit ich weiß so keins mehr rumliegen, aber evtl. druck ich nochmal n paar nach. Das kriegen wir schon irgendwie dass du die noch zu lesen bekommst.
Tauschen klingt gut, Jako hat schon viel von eurem heft erzählt. Bin sehr gespannt.
reinhauen,
Flo

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